Wirtschaft : SAP und Mannesmann waren die Stars im Dax

JOBST-HINRICH WISKOW

SAP und Mannesmann waren die erfolgreichsten Aktien in den ersten sechs Monaten des Jahres.Das ergibt die Halbjahresbilanz der Werte aus dem Deutschen Aktien-Index (Dax).Die SAP-Vorzugsaktien konnten sich mehr als verdoppeln - und verbesserten sich um fast 109 Prozent.Wer Silvester für 10 000 DM SAP-Papiere kaufte, kann sich jetzt über einen Wert von 20 880 DM freuen.

Auch der Wert von Mannesmann verdoppelte sich.Die Aktien des Mischkonzerns, die vor allem wegen der Phantasie auf dem Telekommunikations-Markt zulegten, machten ein Plus von fast 105 Prozent.Aus 10 000 DM vor sechs Monaten wurden 20 470 DM.Dabei sind Dividenden und eventuelle Kapitalveränderungen - zum Beispiel die Ausgabe neuer Aktien bei Mannesmann - berücksichtigt.

Auf den Plätzen liegen Volkswagen, BMW, Metro und Daimler-Benz.Damit gehören alle drei Autohersteller im Dax zur Spitzengruppe.Sie profitierten von der Fusionitis der Branche.

VW kam der Kauf des britischen Nobelwagen-Produzenten Rolls-Royce zugute.Konzernchef Ferdinand Piëch sorgte für weitere gute Nachrichten, so daß auf dem Parkett immer wieder neue Namen mit den Wolfsburgern in Zusammenhang gebracht wurden - zum Beispiel das Interesse von VW-Tochter Audi am italienischen Sportwagenbauer Lamborghini.Den Aktionären von VW brachte all das eine Zunahme von über 77 Prozent binnen sechs Monaten.

Auch BMW-Anleger litten nicht unter der schließlich negativen Entscheidung von Rolls-Royce-Eigner Vickers, entgegen aller Einschätzungen doch an VW zu verkaufen.Die Aktien fuhren gut 70 Prozent ins Plus.

Daimler-Benz gab ebenfalls Gas: Der Kurs des Schwabenpfeils legte um über 60 Prozent zu.Alles wird gut - gemäß dieser Devise löste Vorstandschef Jürgen Schrempp die enormen Probleme um die neuen Modelle der A-Klasse, die beim Elch-Test umgekippt waren.Mit geschicktem Marketing wurde am Ende ein Erfolg aus der Einführung des Kleinwagens.Wichtigstes Ereignis für Daimler war dann die Bekanntgabe der Fusion mit dem US-Autohersteller Chrysler, die die Beobachter vollkommen überraschte.Die Stimmung ist immer noch positiv, und Daimler-Aktionäre können sich freuen.

Weitere Gewinner, die besser als der Dax dastehen, der sich innerhalb des ersten Halbjahres um beinahe 39 Prozent verbesserte: Waschmittel-Produzent Henkel, die Deutsche Telekom, Hoechst, Karstadt und Bayer.Vor allem die Chemie-Werte konnten über steigende Aktienkurse berichten.Der Grund: die anhaltende Fusionsspekulation der Branche, in der zuletzt immer wieder Hoechst als Übernahmekandidat galt.

Nur elf Dax-Werte boten somit eine bessere Performance als der Index selbst.Darunter freilich waren die stark gewichteten Aktien zu finden.Immerhin nämlich gehörten die Unternehmen mit der höchsten Börsenkapitalisierung zu den größten Gewinnern - mit Ausnahme der Allianz, deren Kurs sich lediglich unterdurchschnittlich entwickelte.Sie verbesserte sich um etwa 31 Prozent.

Nur ein einziger Dax-Wert schloß das erste Halbjahr mit negativer Kurs-Entwicklung ab: die Commerzbank.Sie verlor genau ein Prozent.Im Vorjahr zählte sie noch zu den Favoriten.Die seinerzeit kurstreibenden Berichte über mögliche Zusammenschlüsse in der Finanzdienstleistungs-Branche hatten den Wert der Commerzbank wachsen lassen, jetzt war offenbar die Luft raus.

Zu den Flops zählen zudem die Papiere von Mischkonzern Veba, die nur ein Plus von 0,8 Prozent aufweisen, und Siemens, deren Wert sich um lediglich 4,8 Prozent verbesserte.

Wobei Siemens-Aktionäre nicht zu traurig sein sollten: Schließlich haben sie ihr Depot in höherem Ausmaß verbessert als viele andere Anleger.Hatten sie am Jahresanfang 10 000 DM in Papieren des Elektronik-Riesen angelegt, so waren es Ende Juni 10 480 DM.Mit Festgeld wurden daraus nur 10 150 DM, auf dem Sparbuch sogar nur 10 100 DM.

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