Wirtschaft : Sarrazin will den Spieß umdrehen

Dresdner Bank kündigt Gegenattacke gegen Ermittler an / Neue Vorwürfe

HONGKONG / FRANKFURT (MAIN) (ro/dpa).Nach dem Rücktritt des Aufsichtsratsvorsitzenden Wolfgang Röller droht die Steueraffäre um Mitarbeiter der Dresdner Bank weitere Kreise zu ziehen.Wie das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" berichtet, glauben die Ermittler der Düsseldorfer Staatsanwaltschaft, auch anderen Vorstandsmitgliedern nachweisen zu können, daß sie persönlich Steuern hinterzogen hätten.Bisher bestand nur der Verdacht der Beihilfe zur Steuerhinterziehung von Bankkunden.Bei der jüngsten Razzia in der Dresdner Bank-Zentrale in Frankfurt vor gut zwei Wochen seien den Steuerfahndern Akten mit brisantem Inhalt in den Vorstandsbüros in die Hände gefallen, schreibt der Spiegel."Bei einigen Vorstandsmitgliedern wurden Unterlagen sichergestellt", sagte ein Sprecher der Düsseldorfer Staatsanwaltschaft.Die Düsseldorfer Ermittlungsbeamten haben Mitarbeiter von Deutschlands zweitgrößter Bank bereits seit 1994 im Visier. Die Bank will nun den Spieß umdrehen.Noch im Herbst will das Geldhaus "den Knüppel aus dem Sack" holen und gegen die Staatsanwälte in Düsseldorf eine Gegenattacke führen, die den Ermittlern die Sprache verschlagen werde.Was die Ermittlungen wegen des Verdachts der Beihilfe zur Steuerhinterziehung angehe, so seien diese "lachhaft", hieß es aus Vorstandskreisen am Rande der Jahrestagung von Internationalem Währungsfonds (IWF) und Weltbank in Hongkong.Das Vorgehen der Ermittler erinnere an Nazi-Methoden."Dabei wird nichts herauskommen.Die Herren werden nichts finden." Mit welchen Argumenten die Bank die geplante Gegenattacke führen werde, blieb in Hongkong offen.Es gebe und habe bei der Dresdner Bank kein System gegeben, um Kunden bei einer möglichen Steuerhinterziehung zu unterstützen.Die Bank habe wie jedes andere Geldhaus auch ein System zur Abwicklung des Zahlungsverkehrs.Auf das Kundengeschäft hätten die Ermittlungen keinerlei Auswirkungen.Die Nachforschungen der Staatsanwälte seien "irrsinnig teuer" und auch unsinnig.So hätten die Ermittler in mehreren Vorstandsbüros in Frankfurt völlig identische Vorstandsprotokolle beschlagnahmt. Zur derzeitigen Führungskrise bei der Dresdner Bank äußerte sich Vorstandssprecher Jürgen Sarrazin in Hongkong nur mit wenigen Worten.Sein Abschied aus dem Vorstand im nächsten Frühjahr sei ein "normaler" Vorgang."Eigentlich wollten wir ihn erst Anfang 1998 kundtun." Wegen der zunehmenden Spekulationen, habe man dies vorgezogen.Der Aufsichtsrat werde innerhalb der nächsten 14 Tage einen neuen Vorsitzenden wählen.Der bisherige Vorsitzende Röller war in der vergangenen Woche überraschend zurückgetreten, nachdem die Staatsanwalt Düsseldorf bestätigt hatte, daß gegen ihn wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung ermittelt werde.Er selbst bleibe bis zur Hauptversammlung nächsten Jahres Vorstandssprecher.Ob er dann den Aufsichtsratsvorsitz übernehme, ließt Sarrazin offen: "Ich schließe nichts aus."

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