Wirtschaft : Satte Gewinne für Käufer des Grünen Punkts

Das Duale System hat wesentlich höhere finanzielle Reserven als der amerikanische Investor KKR für das Unternehmen bietet

Christoph Schlautmann/HB

Düsseldorf - Der amerikanische Finanzinvestor Kohlberg Kravis Roberts (KKR) wird mit der Übernahme des Dualen Systems Deutschland (DSD) ein Schnäppchen machen. Denn der Kauf finanziert sich wegen der hohen finanziellen Reserven des DSD von über 800 Millionen Euro nach Darstellung des Handelsblatts von selbst.

Das Duale System besteht seit 1991. Die damalige Bundesregierung wollte den Verpackungsmüll durch Recycling eindämmen und erlaubte deshalb Industrie, Handel und Müllentsorgern gegen den Widerstand des Bundeskartellamts die Gründung des DSD. Handel, Industrie und Entsorger waren zugleich auch die Kunden des DSD, der sich vor allem über Lizenzeinnahmen für die Verwendung des Grünes Punktes auf Verpackungen finanziert. Das DSD entschied auch, welches Unternehmen in welcher Region die gelben Tonnen einsammeln durfte. Jahrelang wehrte sich das Verpackungskartell erfolgreich gegen jede Konkurrenz, mehrere Entsorgungsskandale begleiteten die kurze Firmengeschichte. Erst der ehemalige Unions-Parlamentarier Hans-Peter Repnik beendete den Dauerstreit mit den Kartellwächtern.

Sollten jetzt die 553 Aktionäre des DSD am Montag in Köln dem Übernahmeangebot von KKR zustimmen, verdient die US-Firma sogar daran. Die Amerikaner geben für den Erwerb der Aktien 260 Millionen Euro aus. Zuzüglicher weiterer Zahlungszusagen ergibt sich ein Gesamtkaufpreis von 807 Millionen Euro. Nach Angaben des Handelsblatts summierten sich aber schon zum Ende des Geschäftsjahres 2003 alle Wertpapiere, Guthaben bei Kreditinstituten und der Kassenbestand des DSD auf 836 Millionen Euro.

Diese Liquiditätsreserven fallen nun der US-Beteiligungsfirma zu. Zumal jetzt, ein Jahr später, das DSD offenbar noch mehr in der Kasse hat. Auf Anfrage des Handelsblatts teilte ein Sprecher des DSD mit: „Auf Grund des positiven Geschäftsverlaufs, der zu einer beschlossenen Rückvergütung an die Kunden in Höhe von 160 Millionen Euro führen wird, sind die flüssigen Mittel stichtagsbedingt höher als zum Ende 2003.“

Beobachter halten diesen Vorgang für bedenklich, denn die hohen Geldreserven konnte das DSD nur aufbauen, indem es den Kunden unbemerkt überhöhte Preise für den Grünen Punkt in Rechnung stellte. Dabei hatte die Bundesregierung der Kölner Müllorganisation die Betriebsgenehmigung lediglich unter der Maßgabe erteilt, keine Gewinne zu erzielen. „Das komfortable Finanzpolster, das sich nun KKR einverleibt“, wettert der Chef einer großen Entsorgungsfirma, „müsste eigentlich an Deutschlands Verbraucher zurückgezahlt werden.“ Gleiches gelte für die hohen Kursgewinne der DSD-Aktionäre, die mit dem Gedanken einer Nonprofit-Organisation nicht vereinbar seien. KKR bietet jedem das 180-fache des Einstiegspreises.

Ob DSD-Vorstandschef Repnik nach der Übernahme durch KKR bleiben kann, ist ungewiss. Der einstige Parlamentarische Geschäftsführer der CDU/CSU-Bundestagsfraktion hatte in den vergangenen zwei Jahren versucht, das DSD in den Wettbewerb zu führen. So ließ der 57-jährige Repnik die gemeinsame Sammlung von Verpackungs- und Restmüll in einer Tonne testen. Der durchschlagende Erfolg dieser Aktion gefährdet nun aber das Geschäftsmodell des Dualen Systems. Im Bundestag hatten am 1.Dezember Politiker mehrerer Parteien dafür plädiert, die Gelbe Tonne wieder abzuschaffen und die Müllsammlung den Kommunen zu überlassen.

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