Wirtschaft : Satz für Satz

Die Fortbildung ist gebucht, aber wie man lernt, haben viele vergessen. Dabei ist es ganz leicht – mit der richtigen Methode.

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So viel Stoff. Für den Lernerfolg ist es entscheidend, für sich die richtige Lernmethode zu finden. Das können Mindmaps sein oder das Vorlesen. Eine angenehme Atmosphäre fördert übrigens die Konzentration. Foto: dpa Foto: dpa-tmn
So viel Stoff. Für den Lernerfolg ist es entscheidend, für sich die richtige Lernmethode zu finden. Das können Mindmaps sein oder...Foto: dpa-tmn

„Ach, hätte ich das gewusst“, hört Swantje Goldbach von vielen Erwachsenen, die eigentlich wegen ihren Kindern kommen. Goldbach ist die pädagogische Leiterin der Nachhilfeschule Lernwerk in Berlin. Neben Nachhilfeunterricht bietet sie Kurse für Eltern an, in denen sie lernen, wie sie ihre Kinder beim Lernen unterstützen können. Manchmal melden sich aber auch Erwachsene bei ihr und fragen, ob sie bei einem Abi-Kurs mitmachen können. Weil sie eine Ausbildung zur Heilpraktikerin machen und dafür richtig lernen wollen oder weil sie eine Prüfung für Jura nachholen. Manche seien 30 Jahre, manche 50 Jahre alt gewesen. Bei den Grundlagen des Lernens, sagt Goldbach, gibt es zwischen einem Erwachsenem und einem Jugendlichem keinen Unterschied.

Die Fähigkeit des Gehirns, sich Inhalte einzuprägen, nimmt mit dem Alter zwar ab. Häufig fehlt es Erwachsenen, die sich beruflich oder privat weiterbilden, aber vor allem an guten Lernstrategien. Manche haben in der Schulzeit Lerntechniken nicht gelernt. Oder „alte Geister“, wie Swantje Goldbach negative, den Lernerfolg hemmende Lernerfahrungen nennt, sitzen bei Erwachsenen schon seit Jahren fest. Etwa wenn jemand in der 5. Klasse beim Vorlesen gehänselt wurde und sich seitdem sagt „das kann ich nicht“ oder „das lerne ich nie“. Für Menschen mit niedrigerem oder keinem Abschluss ist es oft eine Hürde, das Lernen wieder in Angriff zu nehmen. Derweil lernen wir ständig.

„Lernen kann man gar nicht vermeiden“, sagt Harm Kuper vom Arbeitsbereich Weiterbildung und Bildungsmanagement an der Freien Universität Berlin. Gespräche, Lektüre, kulturelle Beteiligung und die berufliche Tätigkeit selbst – das alles gehöre zu tagtäglich stattfindenden informellen Lernprozessen von Erwachsenen. Der Unterschied zur Lernsituation von Schülern und Studenten sei, wie bewusst man sich in eine Lernsituation begibt, um gezielt und kontrolliert zu lernen. Das schöne dabei ist, dass man im Gegensatz zu Schule und Uni die eigenen Maßstäbe anlegen kann, sagt Kuper. Gleichzeitig sei das die Krux: wie schaffe ich es, meinen eigenen Fortschritt zu beurteilen? Wann ist mein Wissen gesichert?

Wer zum Beispiel neben der Arbeit Spanisch lernen möchte, sollte erstmal die Fragen klären, wo er mit seinen Sprachkenntnissen derzeit steht und was seine realistischen Ziele sind. Will ich pro Einheit fünfzig Vokabel lernen oder zehn? Wie schaut mein Zeitplan aus und mit welcher Methode lerne ich eigentlich? Und vor allem: warum will ich das lernen?

Wichtig ist es, verschiedene Lernmethoden kennen zu lernen und die für sich und den jeweiligen Lernstoff passende Technik zu finden. Häufig wird dabei erstmal nach Lerntypen unterschieden, je nachdem auf welche Weise eine Person Informationen gut aufnehmen kann. Über das Hören, das Sehen oder indem die Person selbst dabei aktiv etwas tut wie lautes Lesen. In der Psychologie ist diese Einteilung umstritten, weil sie einerseits Lernprozesse auf Informationsaufnahme beschränkt und in der Praxis eher unscharf ist. Den einzelnen Lernenden kann sie darin bestätigen, dass Menschen auf sehr unterschiedliche Weise lernen. Die Einteilung regt auch an nachzudenken, womit man selbst einen bestimmten Stoff gut und gerne lernt. So kann es dem einen helfen, kleine Poster neben dem Spiegel aufzuhängen, um so etwa Vokabeln zu wiederholen. Andere lernen gut, indem sie sich Zahlenkombinationen mit einem Rhythmus einprägen. Wenigen reicht es, Inhalte nur vorgetragen zu bekommen. Vor allem, wenn eine Weiterbildung auf dem klassischen Vortrag aufbaut, lohnt es, für sich zusätzliche Techniken anzuwenden. So kann man die Inhalte aufbereiten und vertiefen.

Zu den „Klassikern“ unter den Lerntechniken gehört das Arbeiten mit einer Lernkartei (siehe Kasten) und das Aufbereiten von Stoffen in Mindmaps, die Lerninhalte graphisch verknüpfen und strukturieren. Wer mit langen Texten zu tun hat, dem hilft die SQ3R-Methode. Die Abkürzung steht für das Prinzip, sich vor dem Lesen zuerst einen Überblick über den Text zu verschaffen und eine eigene Frage zu formulieren. Dann liest man, gibt den Inhalt in eigenen Worten wieder und wiederholt. Zu vielen Methoden gibt es im Internet freie Software für die Umsetzung auf dem PC oder dem Smartphone.

Wichtig ist es, ein positives Lernumfeld zu schaffen. Dabei können Unternehmen unterstützen, indem sie Lerninseln einrichten. Ruhige Orte, an die sich Lernende einer Weiterbildung im Rotationsprinzip zurückziehen können. Wer zu Hause für sich selbst lernt, sollte auf den geeigneten Platz dafür achten. Eine gemütliche Ecke, die man nicht erst frei Räumen muss und die für Andere tabu ist. Dann kann es losgehen. Lieber nicht zu viel auf einmal vornehmen, Regelmäßigkeit geht vor Masse. Mehrmals die Woche kürzer und dafür konzentriert zu lernen ist sinnvoller, als einmal pro Woche viel auf einmal. „Lernen sollte keine Bestrafung sein, sondern Zeit für sich selbst“, sagt Swantje Goldbach von Lernwerk. Sie empfiehlt Lerngruppen zu bilden und sich am Samstagvormittag gegenseitig abzufragen und dann gemütlich zu Frühstücken.

Wer alleine lernt, sollte sich einen Termin zur Selbstkontrolle geben und dann ebenfalls etwas zur Belohnung tun. Gerade Menschen, die nicht viel Erfahrung haben, eigenverantwortlich zu lernen oder bei denen das gezielte Lernen länger zurück legt, können sich Unterstützung suchen. Volkshochschulen und Universitäten bieten Kurse speziell zum „Lernen lernen“ an. Man kann bei Lernläden und Nachhilfeschulen nachfragen, auch wenn sich die Angebote nicht dezidiert an Berufstätige richten. Auch die eigenen Kinder zu fragen, ist einen Versuch wert.

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