Wirtschaft : Saubere Geschäfte

Auf welchen Märkten sich Umweltschutz auszahlt

Dagmar Dehmer

Berlin – Die umweltrelevanten Leitmärkte sollen das deutsche Wirtschaftswachstum und den Arbeitsmarkt antreiben. So stellt sich zumindest Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD) die Versöhnung von Ökologie und Ökonomie vor. Kaum einer bestreitet, dass die benannten Märkte zukunftsträchtig sind. Nach einer Studie des Umweltbundesamtes wurden 2004 in Deutschland Umwelt- und Klimaschutzgüter im Wert von rund 55 Milliarden Euro produziert. Der Anteil an der Industrieproduktion lag bei 5,1 Prozent.

ENERGIEERZEUGUNG

UND KRAFTWERKSTECHNOLOGIE

Die deutschen Kraftwerksbauer haben 2005 allein aus Deutschland Aufträge in einem Volumen von 2,1 Milliarden Euro erhalten, aus dem Ausland sogar 8,5 Milliarden Euro. Angesichts des großen Ersatzbedarfes vor allem großer Kohlekraftwerke in den Industriestaaten rechnet der Maschinenbauverband VDMA mit weiter guten Zahlen. Neben einer Erhöhung der Wirkungsgrade der Kraftwerke auf mehr als 50 Prozent – bisher können alte Kohlekraftwerke nur etwa 30 Prozent der eingesetzten Energie in Strom umwandeln – werde auch die „Saubere-Kohle-Technologie“ eine wichtige Rolle spielen. Dabei wird das klimaschädliche Kohlendioxid (CO2) aufgefangen, um es dann in frühere Gas- oder Öllagerstätten zu pumpen. Vor allem bei der Modernisierung osteuropäischer Kraftwerke und dem Ausbau der Energieversorgung in China, Thailand, Indien und Vietnam erhofft sich die Branche gute Geschäfte.

Besonders hohe Wachstumspotenziale haben die erneuerbaren Energien. Deutschland und China waren 2005 hier Spitzenreiter. Der Bundesverband Erneuerbare Energien (BEE) schätzt das weltweite Marktpotenzial bis 2020 auf 250 Milliarden Euro jährlich. Im vergangenen Jahr betrug der Investitionsanteil der deutschen Unternehmen 8,7 Milliarden Euro, davon gingen 4,6 Milliarden Euro in den Export.

EFFIZIENZTECHNOLOGIEN

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) schätzt das heutige Weltmarktvolumen zum Beispiel für Kraftwerke mit einem höheren Wirkungsgrad oder moderner Steuerungstechnik auf 400 Milliarden Euro. Der größte Teil entfalle auf Mess-, Steuer- und Regelungstechnik, Haushaltsgeräte wie Herde, Waschmaschinen oder Kühlschränke sowie Gebäude-, Heiz- und Klimatechnik. Dazu zählen aber auch Technologien, die Materialien einsparen. Etwa Recyclingtechnologien, deren Marktpotenzial sich aktuell auf 55 Milliarden Euro beläuft. Aber auch Nanotechnologien, die geringere Mengen an Rohstoffen verbrauchen, oder die weiße Biotechnologie, mit der chemische Prozesse umweltfreundlicher und energieeffizienter werden können, zählen zu den Effizienztechnologien.

MOBILITÄT

Neben umweltfreundlichen Antrieben wie der Brennstoffzelle wird auch der zweiten Generation von Biokraftstoffen hohes Wachstum vorausgesagt. Der Wert der Biotreibstoffanlagen, die bis Ende 2008 errichtet sein sollen, lag in den USA bei mehr als 2,5 Milliarden Dollar, in Brasilien bei mehr als drei Milliarden Dollar und in Frankreich bei mehr als 1,5 Milliarden Dollar. In Deutschland ist nicht vor 2010 mit einer großtechnischen Erzeugung von Biokraftstoffen zu rechnen. Große Hoffnungen setzt das Fraunhofer Institut für System- und Innovationsforschung (Isi) aber auch auf Verkehrsleittechnik wie etwa Mautsysteme. Im Jahr 2006 wird der Markt dafür auf 700 Millionen Euro geschätzt.

WASSER- UND ABWASSERTECHNOLOGIE

Ein Blick auf die Milleniumsziele der Vereinten Nationen zeigt, dass das Potenzial vermutlich alle anderen Leitmärkte übersteigt. Millionen Menschen leben ohne Wasserversorgung. Doch der Bedarf existiert vor allem in Entwicklungsländern, die Märkte sind stark reguliert, und die Wahrscheinlichkeit, dass sich genügend Finanziers für den Aufbau der Wasserversorgung und der Abwasserentsorgung finden, ist zweifelhaft. Deutsche Unternehmen können sich allerdings schon seit Jahren in diesem Feld behaupten, vor allem innovative Mittelständler. „Die Mittelständler haben das Wachstum überhaupt erst möglich gemacht“, sagt BEE-Sprecher Milan Nitzschke. Die Strategie der großen Konzerne sei es bisher gewesen, erfolgreiche Mittelständler aufzukaufen oder Patente zu erwerben, „um im Zweifelsfall nichts damit anzufangen“, kritisiert Nitzschke.

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