Wirtschaft : Saubere Japaner

Der Verkehrsclub Deutschland kürt die umweltfreundlichsten Autos: Nur ein deutsches Modell punktet

-

Berlin - Deutsche Autos sind in puncto Verbrauch, Schadstoffausstoß und Lärm laut einer Studie des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) nicht konkurrenzfähig. In der jüngsten Umweltliste des VCD hat nur ein deutsches Fabrikat den Sprung unter die Top Ten geschafft, der VW Polo Blue Motion. „Die deutschen Autobauer hinken bei der Technik erheblich hinterher“, sagte Hermann-Josef Vogt, stellvertretender VCD-Vorsitzender, am Mittwoch in Berlin bei der Vorstellung der Liste. Der Spitzenreiter Honda Civic ist ebenso wie der zweitplatzierte Toyota Prius mit der Hybridtechnik unterwegs, einer Kombination aus Elektro- und Verbrennungsmotor.

Der Verband der Deutschen Automobilindustrie (VDA) kritisierte die VCD- Liste. „Autos mit Hybridantrieb haben in Deutschland bislang nur einen Marktanteil von schätzungsweise einem Prozent“, sagte VDA-Sprecher Eckehart Rotter dem Tagesspiegel. Weil die Hybridtechnik noch in den Kinderschuhen stecke, seien die Autos viel zu teuer. Der Preis des Honda Civic Hybrid liegt beispielsweise um mehr als 3000 Euro über dem des Konkurrenten Golf 1.9 TDI. Bis zur Marktreife des Hybridantriebs müsste die Autoindustrie noch einige Jahre forschen. Die Autobauer Daimler- Chrysler, BMW und General Motors (GM) hatten am Freitag angekündigt, in die gemeinsame Entwicklung von Hybridantrieben mehr als 780 Millionen Euro zu investieren. Mercedes-Benz will dann ab 2008 die Luxuslimousinen der S-Klasse mit einem Hybridmotor anbieten. GM plant die Markteinführung bereits ab Ende 2007 in den großen Geländewagen Tahoe und Yukon. BMW will in drei bis fünf Jahren die ersten Modelle mit dem neuen System auf den Markt bringen.

Die immensen Forschungsaufwendungen der Autoindustrie verdeutlicht eine aktuelle Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW). Demnach wenden die deutschen Autobauer und Zulieferer rund 29 Milliarden Euro für Forschung und Innovationen auf und damit mehr als jede andere Branche. „Wenn der Markt für Hybridautos in ein paar Jahren anspringt, werden wir da sein“, sagte Rotter.

Allerdings verwies er darauf, dass Hybridfahrzeuge „nicht die Lösung aller Probleme seien.“ So büßen sie auf Langstrecken ihren Vorteil beim Verbrauch ein. Denn zusätzlich zum Verbrennungsmotor werden sie von einem Elektromotor angetrieben, der beim Bremsen und Verlangsamen mit Energie gespeist wird und deshalb nur im Stadtverkehr wirklich sparsam ist. Deshalb forsche die deutsche Automobilindustrie auch an anderen Antrieben, zum Beispiel mit Erdgas oder Ethanol, sagte der VDA-Sprecher. Zudem hätten die deutschen Autohersteller den durchschnittlichen Verbrauch seit 1990 von 8,8 auf 6,8 Liter reduziert. Ferner sei die Zahl der Neuzulassungen für Diesel mit Rußpartikelfilter im laufenden Jahr auf mehr als 80 Prozent gestiegen nach rund 50 Prozent im Vorjahr.

Nach Einschätzung von VCD-Vize Vogt ist dies aber nicht genug. Das zeige sich beim Diesel-Smart. Dieser habe mit 3,4 Litern auf 100 Kilometern zwar den niedrigsten Verbrauch aller Autos, verfüge aber statt eines wirksamen Rußpartikelfilters lediglich über einen so genannten PM-Kat, der nur rund 30 bis 40 Prozent der Partikel eliminiere. Um die Belastung durch den giftigen Feinstaub vor allem in den Städten weiter zu senken, fordert der VCD eine Nachrüstung möglichst vieler Dieselfahrzeuge in Deutschland mit einem Rußpartikelfilter. Je nach Technik kann ein solcher Filter, der bis zu 1000 Euro kostet, die als krebserregend geltenden Partikel zum größten Teil oder sogar komplett absorbieren.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben