Wirtschaft : Saubermann für den Abfall

Der CDU-Mann Hans-Peter Repnik will den Grünen Punkt retten

Dagmar Dehmer

Berlin. Hans-Peter Repnik kommt zu spät. Sein Fahrrad steht am Bundestag. Und der Wagen, der ihn ersatzweise ins Café Unter den Linden bringen sollte, kam zu spät. Jetzt geht er eilig zu seinem Tisch. Aber er wird schon wieder aufgehalten: Am Nebentisch sitzen zwei CDU-Fraktionskollegen, die sich sichtlich freuen, ihn zu sehen. Da muss der Bundestagsabgeordnete, der bis September 2002 Parlamentarischer Geschäftsführer der Union war, erst einmal Neuigkeiten austauschen. Als später Umweltminister Jürgen Trittin auftaucht, wiederholt sich die Szene.

Hans-Peter Repnik gehört unter Politikern zu den geschätzten Kollegen – obwohl er seit 22 Jahren im Bundestag sitzt und als wichtiger Unions-Parlamentarier sicher nicht immer nett sein konnte. „In die üblichen Ränke ist er nie verstrickt gewesen“, sagt Repniks Weggefährte Wolfgang Schäuble. Und außerdem sei er „ein unheimlich ehrlicher und geradliniger Mensch“.

Das sind Eigenschaften, die zur Rettung des Grünen Punktes dringend nötig sind. Seit Januar ist Repnik Chef des Dualen Systems Deutschland (DSD, siehe Lexikon Seite 18), das Grüner-Punkt-Verpackungen verwertet. Morgen präsentiert er erstmals Bilanzzahlen. Die dürften nicht so gut ausfallen: Das Dosenpfand, das Umweltminister Trittin eingeführt hat, hat dem DSD das Geschäft schwer vermiest. Mit Einbußen von bis zu 400 Millionen Euro rechnet das Unternehmen. Grund: Nicht mehr die Haushalte, sondern die Händler sammeln jetzt den Verpackungsmüll – dem DSD gehen so Lizenzeinnahmen verloren, die es durch die Vergabe des Grünen Punktes erzielt.

Beim DSD brennt’s – das sah auch Repnik, als er sich nach der verlorenen Bundestagswahl davon überzeugen ließ, an die Konzernspitze zu wechseln. Der Aufsichtsrat hatte monatelang um Repnik geworben. „Da hängen nicht nur 400 Arbeitsplätze dran. Wenn der Grüne Punkt scheitert, scheitert auch eine Idee“, warnt der Neu-Manager. Es hat keine 100 Tage gedauert, bis Repnik für den ersten Paukenschlag gesorgt hat. Die drei Aufsichtsratsmitglieder aus der Entsorgungswirtschaft haben Ende April ihre Posten geräumt – „freiwillig“, wie Repnik sagt. Die stillen Beteiligungen der Entsorgungswirtschaft an ihrem größten Auftraggeber DSD werden ausbezahlt. Das sind immerhin 94 Millionen Euro.

Womöglich haben die Entsorgungsbosse Repnik unterschätzt. Vielleicht hat er sich aber auch einfach schnell Respekt verschafft – und seine Erfahrung aus dem langjährigen Politiker-Dasein genutzt. Doch Respekt und Durchsetzungsvermögen allein reichen nicht, um das DSD zu retten. Denn auch der Monopolkommission ist das Unternehmen seit Jahren ein Dorn im Auge: Es bremse den Wettbewerb, monieren die Experten, weil es ein Monopol in der Entsorgungswirtschaft habe – mit der für Verbraucher unangenehmen Folge, dass die Lizenzgebühren höher seien als nötig.

System unter Beschuss

Hans-Peter Repnik weiß, dass er „die Politik vom Nutzen des Grünen Punkts wieder überzeugen muss“. Deshalb sei es auch richtig, sein Bundestagsmandat weiter auszuüben. Nicht abwegig dürfte auch die Vermutung sein, dass ihm ein Scheitern der rot-grünen Regierungskoalition wieder die Tür zu einflussreichen Posten öffnen könnte. Zudem fühlt sich Repnik seinen Wählern gegenüber verpflichtet. Nachdem klar war, dass Repnik von der Politik in die Wirtschaft wechseln würde, haben ihn viele angesprochen. „Sie werden uns doch nicht im Stich lassen“, habe ihn einer gefragt, erzählt Repnik und schluckt. „Da konnte ich doch nicht sagen, ich gebe das Mandat auf. Die Leute haben mich schließlich gewählt – und das schon sechs Mal.“

Wie er das durchhält? „Ich habe das Glück, ein harmonisches Familienleben zu haben“, sagt er. Wolfgang Schäuble hat eine weitere Erklärung: „Der Hans-Peter Repnik ist ein fröhlicher Mensch. Nicht so ein Miesepeter, der ständig jammert.“

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