Wirtschaft : Saudi-Arabien tritt für deutlich höhere Fördermengen ein

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Die Erdölminister der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) sind über die geplante Produktionserhöhung zerstritten. Die für Dienstagmittag verabredete Fortsetzung ihrer am Vortag unterbrochenen Haljahreskonferenz musste daher auf den Abend verschoben werden, berichteten Opec-Delegierte. Vor allem der Iran setzte auf einen restriktiven Kurs.

Das wichtigste Opec-Land Saudi-Arabien bestand auch am Dienstag gemeinsam mit Kuwait zunächst auf einer Steigerung der Fördermenge um täglich 1,7 Millionen Barrel auf dann 24,676 Millionen Barrel. Hartnäckigen Widerstand leistete neben Algerien und Libyen besonders der iranische Erdölminister Bijan Zanganeh. Iran wollte nur eine Mengenerhöhung von 1,2 Millionen Barrel zugestehen. Dies würde an den tatsächlichen Fördermengen nichts ändern, da nach Marktschätzungen die momentane Überproduktion in dieser Höhe liegt. Teheran fürchtet jedoch, dass der Ölpreis mit Beginn des geringeren Energieverbrauchs in den Industriestaaten während des Sommers verfällt.

Wichtigstes Argument des iranischen Ministers war die Ankündigung des Irak, seinerseits baldmöglichst die Fördermenge zu erhöhen. Die Quote des Irak ist seit Beginn der Sanktionen der Vereinten Nationen (UN) nach dem Golfkrieg 1990 in den Vereinbarungen der OECD nicht mehr enthalten. Nachdem die UN dem Regime in Bagdad die Einfuhr dringend benötigter Ersatzteile für die Ölindustrie genehmigt hat, will der Irak die Produktion wieder hochfahren. Die Fördermenge von rund 1,7 Millionen soll bis Ende April um 550 000 Barrel steigen und Anfang Mai 2,4 Millionen Barrel am Tag erreichen, sagte der zuständige Minister Amir Muhammad Rashid am Dienstag der Nachrichtenagentur Reuter in London. Auf der Konferenz hatte sich der Irak zunächst jedoch für eine Verschiebung der Entscheidung eingesetzt.

US-Notenbankpräsident Alan Greenspan, dessen Land mit einem Fünftel des Weltbedarfs der wichtigste Verbraucher von Erdölprodukten und vor allem Benzin ist, hatte die Opec-Staaten am Dienstag noch einmal nachdrücklich vor zu hohen Weltmarktpreisen gewarnt. Wenn dadurch alternative Energien attraktiv würden, könnten die Ölproduzenten die Dummen sein, argumentierte Greenspan.

Washington hatte im Kampf gegen teures Benzin und aus Angst vor Inflation in den Industriestaaten in den vergangenen Wochen starken Druck auf die Opec-Staaten zur Erhöhung der Fördermenge ausgeübt. Nach Berichten von Delegierten soll das Engagement der USA auf Unmut und Widerstand gestoßen sein. "Einmischung von außen ist nicht hilfreich", zeigte sich der iranische Minister Zangeneh beim Opec-Treffen in Wien verstimmt.

Gegenwärtig liegt der Ölpreis pro Barrel bei knapp 26 Dollar. Nach Schätzung des US-Energieministeriums würde der Preis bei einer Fördermengenerhöhung der Opec von einer Million Barrel am Tag bis Ende 2001 auf 23 Dollar fallen. Nach dem saudischen Vorschlag, den Ölhahn um 1,7 Millionen aufzudrehen, wäre dieser Preis bereits Ende dieses Jahres erreicht.

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