Wirtschaft : Saunen auf dem Campingplatz

Was die Heimat alles zu bieten hat

Antje Kröger

Ferien in Deutschland heißt längst nicht mehr nur Ostsee, Schwarzwald oder Alpen pur. Das reicht nicht – die Urlauber wollen mehr. Vor allem Hotels mit dem Zusatzangebot „Wellness“ sind beliebt. Ob das aber eine kleine Keller-Sauna oder eine weitläufige Whirlpool-Anlage sei, bleibe meist offen, heißt es bei der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen (F.U.R).

Sogar Bauernhöfe und Campingplätze setzen vermehrt auf das Verwöhnprogramm. Moorbäder, Physiotherapie, Saunalandschaften und Naturbäder seien keine Seltenheit, sagt auch Carina Dambacher von Ecocamping. Dieser Dachverband umfasst etwa 130 Campingplätze in Deutschland und setzt auf naturnahes Umweltmanagement. Auf dem Programm für die Gäste steht das Wunder Natur. Durch Wald- und Flurforschung bis hin zum eigenen Brotbacken soll schon Kindern umweltverträgliches Denken näher gebracht werden.

Aber nicht nur Entspannung pur lässt deutsche Reiseherzen höher schlagen, sondern auch Sport lockt Urlauber in Scharen an. Auch wenn sich bei manchen Deutschen eine Tendenz zum Faulsein ausbreite, wie der Sprecher der F.U.R., Ulf Sonntag, sagt, widme sich eine Mehrheit der Reiseweltmeister zumindest einer sportlichen Aktivität im Urlaub. Besonders im Kommen ist das Kanufahren. Bundesweit gibt es 40 000 Kilometer befahrbare Gewässer, die meisten in Niedersachsen, Bayern und Brandenburg. Die 1,3 Millionen Kanuten setzen sich „kunterbunt“ aus Familien, Singles oder Senioren zusammen.

Damit auch Stadtkinder die Natur kennen lernen können, haben sich die Angebote für Urlaub auf dem Bauernhof rapide vermehrt. Neben Reiten und Spielscheunen bieten vor allem Streichelzoos und Stallbesuche Stadtkindern die Gelegenheit, ihre Angst vor Tieren abzubauen. 25 Millionen Übernachtungen pro Jahr werden in dieser Branche verbucht. Kinderfreundlichkeit wird neuerdings auch in deutschen Sternehotels groß geschrieben, dort können Kinder kostenlos das ganze Jahr über in klassifizierten Hotels übernachten.

Die wichtigste Zielgruppe für den Tourismus sind jedoch nicht die Kinder, sondern deren Großeltern. Aufgrund der demografischen Entwicklung muss sich auch die deutsche Reisebranche neu ausrichten und vor allem für die ältere Generation attraktive Angebote schaffen. „Schon heute sind die Senioren der Wachstumsmotor Nummer eins des deutschen Tourismus“, sagt Sonntag. 1970 seien gerade mal 30 Prozent aller Senioren verreist, heute hätte sich die Zahl auf 70 Prozent aller über 60-Jährigen erhöht. Sie seien reisefreudiger, fitter und wohlhabender als alle früheren Reisegenerationen und blieben am liebsten im Inland. So schießen Campingplätze „50 plus“ wie Pilze aus dem Boden. Bauernhöfe bieten ein erweitertes Speisenangebot an, und selbst Kanuunternehmen bauen ihre Infrastruktur seniorengerecht um. Die reifere Generation soll sich in Deutschland wohl und willkommen fühlen.

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