Scania-Übernahme : MAN legt nach

Im Übernahmepoker in der Lkw-Branche hat MAN den Druck auf den Konkurrenten Scania weiter erhöht. Das Unternehmen erwarb 15 Prozent der Anteile des Nutzfahrzeugherstellers.

München/Södertälje - Gegen den Widerstand der Schweden kauften die Münchner an der Börse 14,27 Prozent der Stimmrechte auf, um sich eine bessere Position zu sichern. Scania reagierte prompt und kritisierte die Aktienkäufe als "aggressiv". MAN-Chef Hakan Samuelsson bedauerte, dass die Schweden nicht zu Verhandlungen bereit waren: "Leider wurde unsere Einladung nicht angenommen. Deshalb haben wir uns zu diesem Schritt entschlossen, um so die Chance zu erhöhen, die angestrebte Vision zu verwirklichen", erklärte er.

Nachdem MAN an der Börse pro Scania-Aktie 51,29 Euro (475 Schwedische Kronen) gezahlt hatte, mussten die Münchner gemäß dem schwedischen Recht ihr Übernahmeangebot an den höheren Preis anpassen. Die Deutschen wollen demnach nun für den schwedischen Konkurrenten 10,2 Milliarden Euro statt bisher 9,6 Milliarden Euro auf den Tisch legen. Scania blieb jedoch bei seiner ablehnenden Haltung. Auch der schwedische Großaktionär Investor AB lehnte das neue Angebot als zu niedrig ab. Es spiegele nicht den Wert von Scania und die Potenziale einer Fusion wider. Die einflussreiche Familie Wallenberg, deren Stiftung knapp zehn Prozent der Stimmrechte hält, kontrolliert über Investor weitere rund 19 Prozent an Scania.

VW strebt Dreier-Allianz an

Bei der angestrebten Fusion hat außerdem der Großaktionär Volkswagen ein gewichtiges Wort mitzureden. Der Aufsichtsrat werde sich "bald" mit dem Thema befassen, sagte eine Konzernsprecherin in Wolfsburg. Zu Medienberichten, wonach VW das neue MAN-Angebot unterstütze, wollte sie sich nicht äußern. Scania erklärte unterdessen, die Wolfsburger blieben bei ihrer ablehnenden Haltung. Volkswagen, mit 34 Prozent größter Anteilseigner bei Scania und seit der vergangenen Woche auch mit 15 Prozent an MAN beteiligt, strebt offenbar eine Dreier-Allianz an. Dabei entstünde der größte europäische Hersteller von Lkw über 16 Tonnen und der zweitgrößte Bus-Bauer Europas.

Die Börse belohnte MAN für deren Hartnäckigkeit. Die Aktie des Lastwagenbauers kletterte in Frankfurt am Main um bis zu 4,81 Prozent auf 70,58 Euro. Die Scania-Papiere legten an der Börse in Stockholm um bis zu 11,24 Prozent zu und notierten über dem Preis, den MAN gezahlt hatte. (tso/AFP)

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