Wirtschaft : Schaeffler will zunächst niemanden entlassen

Der hoch verschuldete Automobilzulieferer Schaeffler will vorerst auf Entlassungen verzichten. Personalkosten sollen trotzdem gesenkt werden - mit dem verstärkten Einsatz von Altersteilzeit, Arbeitszeitverkürzungen und Kurzarbeit.

Herzogenaurach/SchweinfurtDer hoch verschuldete Automobilzulieferer Schaeffler will nach Zugeständnissen der Arbeitnehmer vorerst auf Entlassungen verzichten. Die Verhandlungen mit den meisten örtlichen Betriebsräten stünden kurz vor dem Abschluss, die entsprechenden Vereinbarungen sollten bis Monatsende unterzeichnet sein, teilte ein Unternehmenssprecher am Dienstag mit. Ziel sei es, konzernweit 250 Millionen Euro einzusparen.

Bereits geeinigt habe sich Schaeffler mit dem Betriebsrat in Schweinfurt. Das „Maßnahmenpaket zur Senkung der Personalkosten“ sei bei einer Betriebsversammlung vorgestellt worden. Es sieht Einsparungen in Höhe von 50 Millionen Euro vor. Die Summe soll nach Schaeffler- Angaben unter anderem mit dem verstärkten Einsatz von Altersteilzeit, Arbeitszeitverkürzungen ohne Lohnausgleich und Kurzarbeit erbracht werden.

Nur wenn die Nachfrage wieder steigt, wird nicht gekündigt

Im Gegenzug will Schaeffler bis zum 30. Juni 2010 auf betriebsbedingte Kündigungen verzichten. Falls sich die Märkte bis dahin nicht erholt hätten, seien danach betriebsbedingte Kündigungen und die Ausgliederung von Beschäftigten in Transfergesellschaften möglich, teilte Schaeffler mit. Um weitergehende Maßnahmen auszuschließen, sei eine weitere Belebung der Nachfrage nötig.

Der Betriebsratsvorsitzende am Standort Schweinfurt, Norbert Lenhard, sprach von „erheblichen Belastungen“ für die Beschäftigten. Dennoch gewinne der Betriebsrat Zeit für sozialverträgliche Lösungen. Auch die IG Metall zeigte sich erleichtert: „Die Kündigungsabsichten sind vom Tisch.“ Schaeffler hatte sich bei der Conti-Übernahme verhoben und leidet wegen der Krise der Autoindustrie unter Auftragseinbrüchen. Auf dem Unternehmen lasten nach der Übernahme Schulden von rund zwölf Milliarden Euro.

Im Konflikt um den Finanzbedarf spitzt sich der Streit zwischen Conti-Vorstandschef Karl-Thomas Neumann und Großaktionär Schaeffler zu. Die Conti- Spitze fühlt sich von Schaeffler zum Verkauf von Konzernteilen gedrängt, erfuhr das „Handelsblatt“ aus Unternehmenskreisen. Konkret geht es offenbar um die Sparte Interior mit 31 000 Mitarbeitern, die etwa Displays, Tachos und Navigationssysteme herstellt. Schaeffler interessiert sich vor allem für Contis Motoren- und Getriebesparte. „Vieles andere kann aus Schaeffler-Sicht verkauft werden“, fürchten Conti-Kreise. (dpa/HB)

0 Kommentare

Neuester Kommentar