Schanghai : Eine Expo der Superlative

Die Weltausstellung in Schanghai geht zu Ende – sie war die teuerste und die meistbesuchte.

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Bilder einer Ausstellung. Am Sonntag geht Weltausstellung zu Ende. Dann schließen auch der Pavillon von Estland (großes Bild) und der von Deutschland (rechts oben). Chinas Pavillon bleibt noch sechs Monate geöffnet. Fotos: AFP
Bilder einer Ausstellung. Am Sonntag geht Weltausstellung zu Ende. Dann schließen auch der Pavillon von Estland (großes Bild) und...Foto: AFP

Die Expo in Schanghai hat ein neues Phänomen erfunden: falsche Rollstuhlfahrer. Zahlreiche Besucher haben sich in den vergangenen sechs Monaten in einen der am Eingang frei verfügbaren Rollstühle gesetzt, um sich darin an den Menschen vorbeizumogeln, die vor den jeweiligen Pavillons bis zu zwölf Stunden warteten. Länder wie Saudi-Arabien, Schweiz und Thailand haben daraufhin die Sondereingänge für Rollstuhlfahrer abgeschafft, andere haben angefangen, die Behindertenausweise zu kontrollieren. Doch einige Chinesen blieben erfindungsreich. Plötzlich stellten sich vor dem Expo-Eingang echte Rollstuhlfahrer zur Verfügung – gegen einen Mietpreis. Mit ihnen konnten je zwei Expo-Besucher als Begleitpersonen die riesigen Schlangen vermeiden. Denn vor allem die Massen an Menschen sind es, die von dieser Weltausstellung in Erinnerung bleiben werden.

Wenn die Expo 2010 am Sonntagabend am Ufer des Huangpu-Flusses schließt, wird sie einen neuen Besucherrekord verzeichnet haben. 72,5 Millionen Menschen werden sich die Ausstellungen der 189 Länder und 57 internationalen Organisationen angesehen haben. Damit hat diese Weltausstellung, wie von den Veranstaltern geplant, die alte Rekordmarke von 64 Millionen Besuchern in Osaka 1970 übertroffen. 95 Prozent der Besucher stammten aus China.

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Das offizielle Resümee zieht der Vorsitzende des Schanghaier Expo-Organisationskomitees in der Zeitung „China Daily“. „Das ist das erste Mal, dass eine Welt-Expo in einem Schwellenland stattgefunden hat, und wir können definitiv sagen, dass sie ein Erfolg war“, sagt Wan Jifei. „Sie hat ihre Ziele erfüllt, eine herausragende, erfolgreiche und unvergessliche kulturelle Gala zu sein.“ Zwar war diese Expo mit einem offiziellen Budget von 4,2 Milliarden Dollar die teuerste aller Zeiten. Doch „China Daily“ berichtet von einer Studie, wonach der Großraum Schanghai durch den Tourismus in den vergangenen sechs Monaten auch zwölf Milliarden Dollar eingenommen hat.

„Die Idee, neue Energien zu verwenden und eine Wirtschaft mit niedrigem Kohlendioxidausstoß zu entwickeln, ist der wertvollste Schatz, den diese Expo für Chinas ökonomische, technische und soziale Entwicklung hinterlässt“, sagt Jifei. Sein Organisationskomitee ist allerdings mit dem Nachhaltigkeitsmotto „Better City, Better Life“ auch großzügig umgegangen. So zählte ein Pavillon der chinesischen Ölindustrie ebenfalls zu den Ausstellungsorten. Insgesamt produzierte die Expo täglich 180 Tonnen Müll.

Der deutsche Beitrag „Balancity“ zählte zu denen, die das Motto der nachhaltiger Stadtentwicklung am besten umgesetzt haben. „Wir sind überaus zufrieden“, sagte der Generalkommissar des Deutschen Pavillons, Dietmar Schmitz, dem Tagesspiegel. „Wir haben mit unserem Konzept richtig gelegen, das haben uns die Besucher und auch die Beiträge in den Medien bestätigt.“ Der Pavillon zählte zu den beliebtesten auf dem Gelände, bis zu vier Stunden betrug die Wartezeit. Mehr als vier Millionen Besucher haben sich bei einem Rundgang über die Elemente einer umweltfreundlichen Stadt informiert. „97 Prozent der Besucher waren zufrieden“, berichtet Schmitz. „Wer wollte, konnte bei uns sehr viel lernen.“

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Nach Sonntag wird der deutsche wie alle anderen internationalen Pavillons zerlegt. Einzelteile werden verschenkt oder zerstört. Für die beliebte Energiezentrale – eine 1230 Kilogramm schwere Kugel, die von Besuchern durch Klatschen und Rufen in Bewegung versetzt werden kann – wird noch mit einem Interessenten aus dem Großraum Schanghai verhandelt.

Die Expo 2010 war nach den Olympischen Spielen 2008 das zweite Großereignis in China. Die nächste Weltausstellung findet 2012 in Yeosu, Südkorea statt. Für China aber ist die Expo noch nicht vorbei. Für mindestens sechs Monate soll der chinesische Pavillon für Besucher geöffnet bleiben. Und sogar über eine erneute Expo-Bewerbung wird nachgedacht, diesmal in Guangzhou im Perlfluss-Delta. Schanghais Expo-Chef Jifei sagt: „Wir sind guter Dinge, dass China eine weitere Weltausstellung veranstalten wird, wahrscheinlich 2025.“

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