Wirtschaft : Schanghai statt New York

Immer mehr europäische und deutsche Firmen gehen in Asien an die Börse

China ist in. Vor einem Monat ging Prada in Hongkong an die Börse . Foto: Reuters
China ist in. Vor einem Monat ging Prada in Hongkong an die Börse . Foto: ReutersFoto: REUTERS

Frankfurt am Main - Die Chefs von Allianz, Bayer oder Siemens hatten reihum die altehrwürdige Glocke zur Eröffnung des Börsenhandels an der Wall Street geläutet. Doch bis auf SAP fand keine deutsche Firma, die in der Welle von Zweitnotierungen um die Jahrtausendwende an die New Yorker Börse gegangen war, dort ihr Glück. Zwischen 2007 und 2009 zogen sich die meisten wieder von der Nyse zurück. Nun richtet sich der Blick nach Osten: Banker und Anwälte arbeiten fieberhaft daran, deutsche Unternehmen in China an die Börse zu bringen.

„Listings in Asien sind bei europäischen Unternehmen gerade in Mode. Das zeigen die Notierungen von Glencore und von Prada“, sagte Herbert Harrer, Partner der Wirtschaftskanzlei Linklaters. „Auch für deutsche Unternehmen kann insbesondere eine Zweitnotiz in Hongkong oder Schanghai interessant sein.“ Mehrere Investmentbanker, die nicht genannt werden wollten, betonten, es gebe viele konkrete Projekte mit deutschen Großkonzernen. Schon in den nächsten zwölf Monaten könne es so weit sein. „Eine Zweitnotiz in Schanghai ist gerade für deutsche Firmen mit starker operativer Präsenz in China sehr attraktiv“, sagte Christian Zorn, der mit Johannes Gröller das Investmentbanking von Morgan Stanley in Deutschland leitet. Ein wesentlicher Grund sei es, direkten Zugang zu chinesischen Investoren zu bekommen, ergänzt Gröller.

Der Sportartikelkonzern Adidas und der Chemiekonzern BASF werden oft genannt, wenn es um Kandidaten für Schanghai geht. Beide Konzerne sagen aber, es gebe keine Pläne. Die Autohersteller VW und Daimler dementieren ebenfalls. Auch für Solar- oder Windkraft-Firmen könne Schanghai attraktiv sein, sagen Banker. Dass sich niemand zu den Plänen bekennen mag, könnte daran liegen, dass ein solches Vorhaben auch den Aktienkurs am Heimatort beeinflussen könnte: „Das Listing wird in der Regel mit einer Aktienplatzierung verbunden“, erläuterte Harrer. Wer keine eigenen Papiere mehr hat, muss also das Grundkapital erhöhen – und das kann Ängste bei den Anlegern oder sogar einen Kursrutsch auslösen. rtr

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