Wirtschaft : Scharfe Proteste gegen die Postschalter-Vereinbarung

Postbank-Chef tritt zurück / Verband spricht von "Knebelvertrag"

BONN (dpa).Aus Protest gegen den Vertrag von Post und Postbank über die Zusammenarbeit in den Filialen ist der Postbankchef Günter Schneider am Mittwoch abend zurückgetreten.Kurz zuvor hatten die beiden Unternehmen die seit Monaten umstrittenen Vereinbarung unterzeichnet.Schneider befürchtet von ihr Nachteile in Milliardenhöhe für die Postbank und den Verlust ihrer Unabhängigkeit.Schneiders Nachfolger wird der Vorstandschef der DSL-Bank, Dieter Boening. Mit dem Schaltervertrag bis zum Jahre 2006 können die Verbraucher in den Postfilialen auch künftig die Angebote von Post und Postbank unter einem Dach nutzen.Die Postbank zahlt dafür in diesem Jahr 1,14 Mrd.DM an die Post.Der Betrag sinkt bis zum Jahr 2001 auf 785 Mill.DM.Die Post muß von ihren derzeit 16 000 Filialen bis zum Jahre 2000 mindestens 12 000 behalten.Danach muß sie mindestens 10 000 Filialen unterhalten, in denen Postbank-Produkte angeboten werden können. Die Einigung ebnet auch den Weg für die Privatisierung der beiden bundeseigenen Unternehmen.Der Bund will in diesem Jahr 75 Prozent der Postbank-Aktien verkaufen.Nach Rechnung des Unternehmens haben sie einen Wert von 3,5 bis vier Mrd.DM.Zunächst werden neuen Produktpartnern der Postbank Aktien angeboten.Im Gespräch sind die Bausparkasse BHW und mehrere Versicherungen.In einem zweiten Schritt soll die Postbank im Herbst an die Börse gehen.Die Deutsche Post AG strebt ihren Börsengang bis zum Jahr 2000 an.Ab 1999 erhält die Post aus dem Restbestand des Bundes 17,5 Prozent der Postbank-Aktien."Es ist sichergestellt, daß Postbank und Post selbständige Unternehmen bleiben und die Post die Postbank nicht beherrscht", erklärte Postminister Wolfgang Bötsch. Schneider hatte unter anderem die Schaltervergütung an die Post als zu hoch abgelehnt.Der Postbank-Vorstand hatte dem Vertrag aber mit drei zu zwei Stimmen zugestimmt.Für die Postbank unterschrieben daher die Vorstände Achim Scholz und Reiner Neumann.Scholz nannte den Vertrag einen "fairen Kompromiß".Schneider stand seit 1990 an der Spitze der Postbank.In sechs Jahren verbesserte er das Ergebnis der Bank von einem Fehlbetrag von 409 Mill.bis auf einen Überschuß von 298 Mill.DM 1996. Scharfe Kritik an dem Schaltervertrag übte der Verband der Postbenutzer.Der Verband sprach von einem "sittenwidrigen Knebelvertrag" zu Lasten der Postbank.Der Post werde beherrschender Einfluß auf die Bank eingeräumt.Damit verstoße der Vertrag gegen das Kreditwesengesetz, da die Post keine Banklizenz besitze.Der Vertrag mindere die Börsenchancen der Postbank ohne die der Post zu verbessern.

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