Wirtschaft : Scharfe Sachen

Hightech oder Klinge? Wie Mann sich den Bart rasiert, entscheidet er als Teenager

Maren Peters

Die meisten Männer tun es einmal am Tag, in der Regel früh am Morgen. Kaum ist der letzte Schlaf aus den Augen gerieben, tappsen sie ins Badezimmer und demonstrieren noch vor dem ersten Bohnenkaffee, ob sie eher ein emotionaler Typ sind oder der Technokratenfraktion angehören. Denn all das zeigt sich angeblich schon beim Rasieren.

„Nassrasierer gelten als wesentlich emotionalere Menschen als Trockenrasierer – und als die treueren Ehemänner“, sagt Peter Voss, Marketingchef des Rasierklingenherstellers Wilkinson Sword. Das allerdings könnte auch ein Gerücht sein, meint er. Sehr viel gesicherter ist dagegen die Erkenntnis, dass die Nassrasierer eine noch wachsende Mehrheit sind – und das, obwohl der Einsatz von Schaum und Klinge im Ruf steht, länger zu dauern als der Griff zum Elektrorasierer. „Ein Trugschluss“, wie Voss meint.

Vielleicht muss der Verkaufsprofi das sagen. Sein Arbeitgeber Wilkinson beherrscht zusammen mit dem Konkurrenten Gillette (Werbung: „Für das Beste im Mann“) den Markt für Nassrasierer. Zu seinen Kunden zählen knapp 60 Prozent der deutschen Männer im bartfähigen Alter – und auch immer mehr Frauen.

Die Unternehmen trennt zwar nur eine Klinge, aber sonst eine ganze Philosophie: Während Wilkinsons Rasierer mit zwei Klingen hintereinander die Stoppeln abnehmen, arbeitet Gillette mit drei Klingen. Die erste Klinge hebt die Barthaare an, damit Nummer zwei und drei sie besser abschneiden können. Aber so scharf die Schneiden auch sein mögen – ob die Rasur ohne Schnittwunden und spätere Entzündungen endet, hängt von vielen anderen Faktoren ab: von der Hautoberfläche, der Empfindlichkeit und dem Geschick.

Schutzbügel gegen Schnittwunden

Die Hersteller investieren viel, um ihre Rasierer durch immer mehr Hightech aufzurüsten. Jüngstes Produkt bei Wilkinson ist der „Protector 3D Diamond“. Das Gerät hat einen eingebauten Schutzbügel – mikrofeine Drähte, die vor die Klingen gesetzt sind und die Haut in sicherem Abstand halten sollen. Außerdem ist das Klingenpaket dreidimensional beweglich und damit sehr flexibel. Auch dies dient dem Schutz: Wird der Rasierer mit zu starkem Druck auf die Bartstoppeln gesetzt – ein typischer Anfängerfehler – ziehen sich die Klingen zurück und können die Haut nicht mehr zerschneiden. „Das ist der sicherste Nassrasierer der Welt“, verspricht Wilkinson-Marketingmann Voss, „egal, wie man sich anstellt.“ Die diamantbeschichteten Klingen des Protector sollen die Barthaare „fast so gut wie ein Diamant“ schneiden.

Auch der Marktführer Gillette gibt sich Mühe, die Kundschaft mit Hightech zu fesseln. Gerade ist der neue „Mach3 Turbo“ vorgestellt worden, der im März auf den deutschen Markt kommen soll und in Berlin produziert wird. Die neuen „Anti-Friction (Anti-Reibungs)-Klingen sollen mit noch weniger Kraftaufwand über die Bartstoppeln gleiten, verspricht der Hersteller. Das soll nach Angaben von Gillette-Marketingchef Dirk Heinzl dazu beitragen, Hautirritationen noch besser zu vermeiden – „und zwar nicht nur bei der Rasur mit dem Strich, sondern auch bei der Rasur gegen den Strich“. Trotz der Hightech-Angebote greift ein Drittel der Männer lieber zu einfachsten Billigrasierern – mit steigender Tendenz. Die Unternehmen führen das auf die immer schmaler werdenden Geldbeutel vieler Leute zurück. So ist das bestverkaufte Produkt bei Wilkinson nicht der „Protector 3D Diamond“ für neun Euro das Stück, sondern die simple Einklingenversion „Protector“, bei dem fünf Stück für 50 Cents zu haben sind.

Bei den jüngeren Männern beobachten die Hersteller noch eine andere Vorliebe: Immer mehr von ihnen greifen zum guten alten Rasiermesser. Profi-Friseure haben eine Ahnung, woran das liegen könnte: Mit den scharfen Messern lassen sich Bartkanten am besten konturieren – wenn man einmal gelernt hat, mit den Messern umzugehen.

Männer wechseln selten

Ob Männer sich nass oder trocken rasieren, entscheidet sich im Teenageralter. „Die Jungs gucken sich bei ihrem Vater das Rasieren und die Marke ab“, sagt Verkaufsprofi Voss. Nur sechs bis sieben Prozent der Männer wechseln später zwischen den Systemen, der Rest bleibt beim Altbekannten. Wichtigstes Argument der Trockenrasierer-Fraktion ist vor allem die Bequemlichkeit. Viele Männer greifen zum Elektrorasierer, weil es schneller geht und weniger umständlich ist. Dafür sind die Trockenrasierer weniger gründlich als die Klingen.

Doch egal, wie die Systeme von Herstellern wie Philips, Braun, Grundig oder Panasonic funktionieren – sie tun sich alle nicht viel, hat die Stiftung Warentest herausgefunden. Alle Geräte rasieren gut und schonend. Was entscheidend ist, sind daher Verträglichkeit, Preis und Handhabung. „Das muss ein Mann im Laufe seines Lebens einfach ausprobieren“, sagt Dagmar Wiese, die im Berliner KaDeWe Rasierer verkauft. Vor allem bei Anfängern sei es völlig egal, mit welchem Rasierer sie ihren Bart abnehmen. „Solange die Haut noch glatt und straff ist, ist jedes System gut“, sagt KaDeWe-Verkäuferin Wiese. Richtig schwierig wird es erst im Alter.

Philips setzt bei seinen Rasierern auf ein rotierendes System mit drei Scherköpfen, die lange und kurze Bartstoppeln erfassen und abschneiden.. Die teuersten Vertreter in der „8870“er-Reihe des Herstellers kosten rund 260 Euro. Dafür sind sie im Vergleich zu den Billigversionen für 49,99 Euro aber nicht nur wesentlich anschmiegsamer zur Haut, sondern auch abwaschbar.

Braun setzt auf ein Scherfoliensystem. Bartstoppeln, die durch die Folie ragen, werden durch einen darunter liegenden Klingenblock abgefräst. Auch hier hat das teuerste Modell „7680“ (rund 240 Euro) einen Sonderservice: Der Rasierer wird nach Gebrauch kopfüber in eine mitgelieferte Reinigungsbox gestellt. „Nach 15 Minuten ist er wieder sauber“, sagt eine Verkäuferin. 30 Reinigungen hält das Gerät aus, danach wird eine neue Box fällig. Maren Peters

Mehr zum Thema Rasur:

www.nassrasur.com

www.xs4all.nl/~pedewei/

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