Wirtschaft : Scharfer Wettbewerb um weniger Kunden

Die Dresdner Bank ist im Billig-Bereich spät dran

Rolf Obertreis

Frankfurt am Main - Der Name weckt Erinnerungen. Noch im Frühjahr will Dresdner-Bank-Chef Herbert Walter die Dresdner Direct 24 ins Leben rufen – einen Online-Ableger für kostengünstige Standardprodukte.

Ende 1999 war es just Walter, der die Leitung der neuen Deutsche Bank 24 übernahm. In diese Sparte wollte das Institut damals das gesamte, eher ungeliebte Privatkundengeschäft ausgliedern, um den Investmentbankern im Konzern freie Fahrt zu verschaffen. Schon 2002 erwies sich die Deutsche Bank 24 als einer der größten Irrtümer des Vorstands. Der Ableger wurde eingestampft, das Privatkundengeschäft in den Konzern zurückgeholt. Walter wechselte an die Spitze der Dresdner Bank.

Die Gefahr, dass sich die Geschichte mit der Dresdner Direct 24 wiederholt, ist gering: Das neue Institut wird keine eigenständige Bank, sondern ein Internet-Portal innerhalb der Privatkundensparte der Dresdner Bank und seines Mutterkonzerns, der Allianz. Die Bank will darüber Standardprodukte wie Giro- und Tagesgeld-Konten, Wertpapierdepots, sowie Bau- und Konsumentenkredite anbieten – nur online und ohne aufwendige Beratung. „Es geht vor allem um den Discount-Bereich“, sagt ein Sprecher der Bank. Dabei bietet sie schon heute ein Null-Euro-Konto.

Die Idee zur Dresdner Direct 24 ist alles andere als revolutionär. Das neue Portal ist der Marktentwicklung und dem scharfen Wettbewerb geschuldet. „Das ist ein defensives Projekt. Der Dresdner Bank geht es eher darum, Kunden zu binden als neue zu gewinnen“, sagt Professor Dirk Schiereck, Banken-Experte bei der European Business School (EBS) in Eltville. Reichlich spät dran sind Dresdner und Allianz ohnehin.

Die ING-Diba hat sich seit Jahren im Markt etabliert, fährt mit ihren mittlerweile 5,9 Millionen Kunden Jahr für Jahr ansehnliche Gewinne ein. Auch die Commerzbank feiert mit der schon 1994 gegründeten Comdirect und mittlerweile gut einer Million Kunden ansehnliche Erfolge. Die Deutsche Bank hat sich die Norisbank als Billig- und Internetanbieter einverleibt und setzt wie die Hypo-Vereinsbank mit der DAB-Bank auf eine Mehr-Marken-Strategie. Schließlich können sich auch die Autobanken von Mercedes (gut eine Million Kunden), von BMW (850 000) und von VW (660 000) sehen lassen. Auch Cortal Consors hat sich mit 610 000 Kunden fest etabliert. Volksbanken und Sparkassen richten ebenfalls verstärkt Direktbank-Portale ein.

Längst haben auch ausländische Banken den deutschen Direktbanken-Markt entdeckt. Über das Internet und mit wenig Personal ist der Einstieg zu niedrigen Kosten möglich. Oder man setzt auf Kooperationen, wie die Royal Bank of Scotland mit dem Kaffeeröster Tchibo. Auch mehrere türkische Geldinstitute bieten attraktive Standard-Produkte. Seit neuestem buhlt die indische ICICI-Bank, zweitgrößtes Geldhaus des Landes, um deutsche Kunden. Das Tagesgeld-Konto bei ICICI bringt den stolzen Zins von 4,75 Prozent.

Freilich: Erfolg im Billig-Banking kann nur haben, wer der Konkurrenz Kunden abjagt. „Die Zahl der Bank-Kunden in Deutschland ist stabil, eher sogar rückläufig“, sagt Experte Schiereck. Und die Konkurrenz wird noch schärfer, weil sich mit dem Europäischen Zahlungsverkehrsraum Sepa, dessen Start Ende Januar eingeläutet wurde, Banken im gesamten Euroraum um Kunden in den Euroländern werben können. Die Kosten für Überweisungen oder Lastschriften sind dann überall gleich. „Über das Internet kann auch ein Institut aus Portugal in Deutschland aktiv werden“, sagt Schiereck. Neue Wettbewerber werden es deshalb schwer haben, zumal gerade Bank-Kunden eher auf vertraute Adressen setzen. Auch wenn ihre Einlagen bei neuen Instituten meist genau so gut abgesichert sind wie bei deutschen Geldhäusern.

Aber Margen und Gewinnspannen werden im Bankgeschäft mit Standardprodukten immer kleiner, sagt Schiereck. Wer Erfolg haben will, braucht viele, sehr viele Kunden. Der indischen ICICI räumt er deshalb auf dem deutschen Markt keine große Chance ein. Die Dresdner Direct 24 dürfte sich halten. Ob das Projekt für sich allein allerdings profitabel arbeiten kann, sei fraglich.

Rolf Obertreis

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