Wirtschaft : Schatz, ich zahle

Wenn Frauen mehr verdienen, kann es zu Konflikten kommen

Julia Kirchner[dpa]

Es war ein schöner Restaurantbesuch. Wenn dann aber die Frau die Rechnung bezahlen will, könnte das ein Stimmungskiller werden. In den meisten Partnerschaften ist immer noch der Mann der Großverdiener. Was passiert, wenn diese Rollenverteilung umgedreht wird? Nicht alle Männer können souverän damit umgehen, wenn ihre Partnerin mehr verdient. Wird Geld zum Problem in einer Beziehung, geht es aber meist gar nicht um das Zahlungsmittel – sondern bringt das Rollenverständnis von Mann und Frau auf den Tisch.

„Geld ist ein symbolisches Medium, das mit Bedeutung versehen wird“, sagt Caroline Ruiner vom Institut für Arbeitswissenschaft an der Ruhr-Uni Bochum. Sie analysierte an der Uni Augsburg vier Jahre Daten aus dem Projekt „Gemeinsam leben, getrennt wirtschaften“, das die Rolle von Geld bei Doppelverdienerpaaren untersuchte. Dazu wurden 1114 Paare interviewt. Laut der Studie organisiert ein gutes Drittel der befragten Paare ihre Finanzen kollektivistisch: Das heißt, es gibt gemeinsame Konten und einen gemeinsam geteilten Besitz. Demgegenüber trennt ein Fünftel der Paare die Gelder. Bei 45 Prozent der Paare wird mal das eine, mal das andere Modell praktiziert.

Verdienen Frauen in einer Beziehung mehr, kann das bei Männern Existenz- und Versagensängste auslösen. Konflikte entstehen vor allem dann, wenn das Geld ohnehin knapp ist – und sie einen Tick mehr verdient als er. In dieser Konstellation könne ein sehr konservatives Rollenverständnis hervorbrechen: „Da muss man sich die Frage stellen 'Ist er auf Dauer der richtige Partner?'“, sagt Psychologin und Paartherapeutin Svenja Lüthge. Kritisch wird es auch, wenn der Partner generell unzufrieden mit seinem jetzigen Job ist. Viel Debattieren helfe da nicht. „Stattdessen sollte man den anderen dazu ermutigen, Konsequenzen zu ziehen.“

Wer das Gefühl hat, der Partner stichelt und stellt die eigenen Ausgaben infrage, muss Klartext reden. „Entweder die Besserverdienende setzt sich durch und kauft, was sie will. Oder sie bittet den anderen, es zu akzeptieren, wenn sie etwas Teures kauft“, sagt Lüthge. Eine andere Möglichkeit ist, eine Liste zu schreiben, in der festgehalten wird: Welche Kosten tragen wir gemeinsam, welche jeder alleine? „Es ist für die Balance ungünstig, wenn einer nur Geber, der andere nur Empfänger ist. Paare sollten diese Abhängigkeit abschaffen, indem sie für Ausgleich sorgen“, ergänzt der Coach und Psychologe Bernhard Broekman. So könnte der geringer Verdienende eine andere Rolle übernehmen und sich beispielsweise um die Familie oder das Haus kümmern.

Die wissenschaftliche Befragung hat gezeigt, dass die Art und Weise, wie Paare mit Geld umgehen, auf dem zugrundeliegenden Partnerschaftsverständnis basiert. Einfacher formuliert: Sag mir, wie ihr mit Geld umgeht, und ich sage euch, was für ein Paar ihr seid. Bei Paaren, die ein kollektivistisches Beziehungsmodell leben, wird Geld als „gemeinsames“ Geld gesehen. Wer sich als unabhängiger Partner in einer Beziehung versteht, sieht Geld hauptsächlich als „eigenes“ an und teilt Ausgaben hälftig auf.

Oft sei Paaren nicht bewusst, wie sie über Geld denken. Denn diese Einstellung werde maßgeblich vom Elternhaus mitgeprägt, sagt Broekman. Viele hätten von Mutter oder Vater den Satz eingebläut bekommen: „Über Geld spricht man nicht.“ In Beziehungen komme man um diesen Part aber nicht herum: „Spätestens wenn die Familienplanung ansteht, gibt es Probleme“, sagt Lüthge. Denn wenn die Frau bisher den größten Batzen zum Haushaltseinkommen beigesteuert hat, muss umgeplant werden, wenn sie mit Baby erstmal nur Teilzeit oder gar nicht arbeiten kann.Von Julia Kirchner, dpa

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