Wirtschaft : Schaulaufen im Handel

MARGARITA CHIARI

Die Überraschung ist perfekt: Das Kartellamt will den Handel stärker unter die Lupe nehmen. Die neuen Tiefpreisangebote der Handelsgruppe Rewe haben die Behörde auf den Plan gerufen. Ein Tabu scheint gebrochen. Denn beim Thema Handel verliefen die Reaktionen der Wettbewerbshüter in jüngster Zeit eher nach dem "Finger-weg"-Prinzip - zu oft hatten sie zuvor bei den Überprüfungen in dieser Branche eine Schlappe einstecken müssen. Doch nun wittern sie offenbar Morgenluft: Butter, Mineralwasser, Bier, alles über Monate hinweg um 20 bis 30 Prozent billiger als bisher - das riecht stark nach einem Verstoß gegen das Wettbewerbsrecht. Denn dort ist seit Anfang des Jahres der Verkauf unter Einstandspreis ausdrücklich verboten.Die Kläger sollten sich nicht zu früh freuen. Auch diesmal könnte das Vorgehen der Kartellbehörde - sollte es überhaupt dazu kommen - ein reines Schaulaufen werden. Denn vermutlich hat sich die Rewe-Gruppe bei ihrem Vorgehen rückversichert. So ist nicht auszuschließen, daß sie allein durch ihre pure Marktmacht bei den Lieferanten entsprechende Konditionen aushandelte. Entscheidend ist: Die neue Preisrunde ist eingeläutet, die Konkurrenz wird nachziehen oder hat dies bereits getan - sollte in einigen Monaten ein Urteilsspruch fallen, ist die Sache längst gelaufen.Statt zu klagen, sollte der Handel sich an die eigene Nase packen. Wer war es denn, der in den vergangenen Jahren die Flächen ausweitete und einen Großmarkt nach dem anderen eröffnete - obwohl die Umsätze nach unten gingen? Auch jetzt geht es nur vordergründig um die kleinen, selbständigen Lebensmittelhändler. Jene, die überlebt haben, sind längst in der Nische gelandet, in der der Preis eine weniger große Rolle spielt. Der Preiskampf tobt zwischen den Großen der Branche - sie haben ihn sich selbst eingebrockt.

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