Wirtschaft : Scheidender Arbeitgeber-Chef Stumpfe zieht trotz Verbandsflucht positive Bilanz

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Der Präsident des Arbeitgeberverbandes der Metallindustrie, Werner Stumpfe, warnt vor einem zunehmenden Verfall der traditionellen Tarifstruktur in Deutschland. Einige Monate vor seinem Ausscheiden aus dem Amt sagte Stumpfe in Berlin, dass es in den vergangenen Jahren nicht nur bei der IG Metall zu einem anhaltenden Mitgliederschwund gekommen sei. Auch im Arbeitgeberlager schreite die Erosion voran. Immer häufiger hätten sich Unternehmer, vor allem im mittelständischen Bereich, dazu entschlossen, aus dem tarifgebundenen Verbandsteil auszutreten und Mitglied im tariflosen Arbeitgeberverband der Metall- und Elektroindustrie zu werden.

In einzelnen Bundesländern seien diese tarifungebundenen Arbeitgeberverbände beinahe genau so groß geworden wie die Verbände, deren Mitglieder an die Tarifabschlüsse in der Metallindustrie gebunden sind. Zwar dominierten die klassischen Metallarbeitgeberverbände die Landschaft noch von der Zahl der Beschäftigten. Der Trend zur Organisation der Unternehmer in tariflosen Verbänden halte jedoch an. Stumpfe, der in seiner Amtszeit im Metall- und Elektrogewerbe die Gründung solcher tarifloser Arbeitgeberverbände unterstützt hatte, sagte, dass er "kaum Unternehmen gefunden habe, für die sich der Wechsel in einen tariflosen Verband nicht gelohnt hätte". Ohne konkrete Mitgliederzahlen der tariflosen Regionalverbände nennen zu können, schätzte Stumpfe den Mitgliederschwund bei Gesamtmetall in den vergangenen zehn Jahren auf rund drei Prozent ein. Gut die Hälfte der Unternehmer hätten den Verband verlassen, weil sie mit den abgeschlossenen Tarifverträgen unzufrieden gewesen sind. Stumpfe wertete dies als Erfolg der Tarifarbeit in seiner Amtszeit.

Dass dieser Erfolg auch für die Beschäftigten in der Branche gelte, bestritt Stumpfe allerdings. Die Unternehmer würden je nach Umfang des Tarifabschlusses mehr oder weniger Arbeitsplätze durch Rationalisierung streichen, sagte er. Bei hohen Tarifabschlüssen würden sich automatisch die Beschäftigtenzahlen reduzieren.

Trotz Lohnerhöhungen, die seit 1997 durchschnittlich 2,7 Prozent pro Jahr betrugen, und der Reduzierung der Arbeitszeit sei es deshalb der deutschen Metall- und Elektrobranche in den vergangenen Jahren gelungen, ihren 20-prozentigen Wettbewerbsnachteil im internationalen Maßstab aufzuholen. Die bessere Auslastung der Kapazitäten in der Branche habe zudem dazu beigetragen, dass sich die Ertragslage in den Unternehmen schrittweise verbessert habe. Für das laufende Jahr erwartet Stumpfe eine Umsatzrendite, die "nur wenig unter drei Prozent" liegt. Gemessen an 1,7 Prozent im Jahr 1995 sei das statistisch gesehen eine "wesentliche Verbesserung". Dennoch schätzte Stumpfe, dass die Unternehmen der Branche im internationalen Vergleich erst den "Normalzustand" erreicht hätten. Auch der Trend bei den Jobs gehe, "wenn auch flatterig", wieder bergauf. Wenn er im Sommer diesen Jahres sein Doppelamt an einen neuen Hauptgeschäftsführer und einen neuen Präsidenten übergebe, dann sei auch der Arbeitgeberverband strukturell gut auf die Herausforderungen der Zukunft vorbereitet.

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