SCHEIN ODER SEIN? : SCHEIN ODER SEIN?

Der Berliner Psychologe Joachim Selter erklärt, warum uns Statussymbole so wichtig sind.

Wann kommen wir das erste Mal mit Statussymbolen in Berührung?

Schon im Kleinkindalter. Es ist zunächst der Status der Eltern, der direkt auf die Kinder übertragen wird, mittels Kleidung, Spielzeug und der Marke des Kinderwagens. Damit agieren zwar nur die Eltern, die entsprechend ausgestatteten Kleinen werden aber oft selbst zu Statussymbolen. Es ist anzunehmen, dass davon einiges automatisch in die Wahrnehmungswelt der Kinder einfließt.

Welche Wirkung haben sie auf das Auftreten?

Es gibt ganz offensichtlich ein menschliches Bedürfnis nach Positionierung und Ranking in sozialen Systemen, von der Kita-Gruppe bis hin zum Unternehmensvorstand. Der Mensch möchte sich von anderen differenzieren, den sozialen Rang, sein Ansehen in einer Gruppe oder Gesellschaft und damit letztendlich seinen Status verbessern. Das sollte eigentlich durch besondere Fähigkeiten oder Leistungen geschehen. Mit Hilfe von Symbolen kann lässt sich da aber eben auch effektiv nachhelfen. Statussymbole dienen meist als soziale Codes für Erfolg.

Was macht Statussymbole aus?

Sie sollen leicht identifizierbar sein und sind deshalb zwangsläufig oberflächlich. Daraus ergibt sich die Wirkung: schnelles und möglichst eindeutiges Differenzieren und Zuordnen, ohne dass dazu ein näherer Kontakt zwingend notwendig wird, ähnlich wie bei militärischen Dienstgraden.

Welche Rolle spielen sie am Arbeitsplatz?

Im Job sind Statussymbole Zutaten in einem komplexen Regelwerk, das den Umgang miteinander vereinfachen soll. Die Dienstwagenklasse und der eigene Parkplatz zeigen genau die Stellung in der Hierarchie eines Unternehmens, genauso wie Größe und Ausstattung des Büros und die Zuordnung von besonderen Mitarbeitern.

Was steckt nun dahinter?

Man sollte sich von so augenfälligen Symbolen nicht täuschen lassen. Sie geben ja keine Garantie, was die „wahren“ Verdienste, Leistungen oder die Integrität des Symbolnutzers betrifft.

Da stellt sich immer die Frage, ob der Inhalt zur Verpackung passt. juj

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