Wirtschaft : Schering AG: Berliner Pharmakonzern legt Rekordergebnis vor

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Schering hat im vergangenen Jahr ein Rekordergebnis erzielt. Der Berliner Pharmakonzern steigerte den Umsatz gegenüber dem Vorjahr um 22 Prozent auf rund 4,5 Milliarden Euro (rund 8,8 Milliarden Mark). Der Gewinn vor Steuern kletterte um 20 Prozent auf 327 Millionen Euro (640 Millionen Mark), teilte das Unternehmen am Mittwoch bei der Veröffentlichung der vorläufigen Zahlen mit. Die Zahlen waren von den Analysten weitgehend erwartet worden, die Aktie konnte daher nicht von der guten Bilanz profitieren. Zur Kasse notierte das Papier bei 57 Euro - gegenüber dem Vortag ein Verlust von 2,36 Prozent.

Überrascht waren Marktbeobachter über das gute Ergebnis im vierten Quartal. Schering hatte durch die Beteiligung an Aventis Crop-Science zwar einen Verlust von 59 Millionen Euro hinnehmen müssen, diesen Verlust durch den Verkauf von nicht näher genannten Finanzbeteiligungen aber ausgeglichen. "Von dieser Gegenbuchung konnte keiner wissen", sagt DG-Bank-Analyst Peter Spengler. Berücksichtige man diese Gegenbuchung von Gewinnen aus anderen Bereichen nicht, dann liege Schering bei Ergebnis und Umsatz im Rahmen der Erwartungen, sagte Spengler. Aventis Crop-Science, an der Schering mit 24 Prozent beteiligt ist, hatte in den USA gen-veränderten Starlink-Mais in Umlauf gebracht, der in den USA für den Verzehr nicht zugelassen ist. Produkte mit diesem Mais mussten zurückgerufen werden, Aventis erwartet Schadenersatzklagen in Millionenhöhe.

Auch im vergangenen Jahr hat Schering vor allem von seinem Multiple-Sklerose-Medikament Betaferon profitiert - das einzige Medikament des Pharmakonzerns, das bislang den Sprung über die Eine-Million-Dollar-Umsatz-Marke geschafft hat. Der Gesamtumsatz mit Betaferon kletterte im Jahr 2000 um 31 Prozent auf 593 Millionen Euro (1,2 Milliarden Mark). Davon entfiel fast die Hälfte auf die USA. In den ersten neun Monaten des Jahres war der Betaferon-Umsatz noch um 33 Prozent gestiegen.

Commerzbank-Analystin Claudia Schmitt sieht die Gefahr, dass sich Schering zu sehr auf Betaferon verlassen könnte. Die Entwicklungspipeline sei zwar gut gefüllt, allerdings nur mit kleineren, also weniger umsatzstarken Medikamenten. Mittelfristig werde Schering nur über Akquisitionen sowie weitere Kooperationen mit Biotech-Firmen den angekündigten Ausbau des US-Geschäfts erreichen können, sagte Schmitt. Negativ beurteilte sie die verspätete Zulassung der neuen Pille Yasmin auf dem US-Markt.

Für das laufende Jahr erwarten Marktbeobachter geringere Zuwachsraten als im Vorjahr. "Nach dem starken Wachstum im Jahr 2000 wird es schwierig", sagte DG-Bank-Analyst Spengler. Grund sind die geringer ausfallenden Währungseffekte nach der Abschwächung der US-Konjunktur. Zudem würden die Kosten durch die Einführung neuer Produkte stark steigen und das operative Ergebnis belasten, sagte Commerzbank-Analystin Schmitt. Trotzdem geht sie von einem zweistelligen Umsatzwachstum "um die zehn Prozent" aus.

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