Wirtschaft : Schering AG: Das Berliner Unternehmen muss sich vorsehen

Maren Peters

Schering-Chef Giuseppe Vita kann sich zufrieden zurücklehnen: Seinem Nachfolger Hubertus Erlen, der ihn im Frühjahr beerben wird, hinterlässt er ein gut bestelltes Feld. Die Forschungspipeline ist prall gefüllt, allein im nächsten Jahr will das Unternehmen drei neue Medikamente auf den Markt bringen. Und auch den steinigen Weg in die USA, dem profitabelsten Pharmamarkt der Welt, hat Vita seinem Nachfolger geebnet. Kein Wunder, dass Erlen den Kurs, den Vita vorgezeichnet hat, konsequent fortsetzen will. Jede Richtungsänderung wäre ein Fehler. Dass das Berliner Unternehmen bereits das fünfte Rekordjahr in Folge erwartet, ist Vitas früher Weitsicht zu verdanken: Anders als der Konkurrent Bayer, der mit seiner Chemie-Sparta nicht glücklich wird, hat sich der Schering schon Anfang der neunziger Jahre konsequent auf den Kernbereich Pharma konzentriert und alles andere abgestoßen. Und anders als die Leverkusener, die sich auf Aspirin ausgeruht haben, haben die Berliner in all den Jahren viel mehr Geld als die Wettbewerber in die Entwicklung neuer Medikamente gesteckt. Das zahlt sich nun aus: Mit dem Multiple-Sklerose-Medikament Betaferon hat Schering einen Hit gelandet, der ihm viele Millionen in die Konzernkassen spült. Vita weiß aber auch, dass er auf der Hut sein muss. Je attraktiver sein Unternehmen, desto größer ist die Gefahr, von der Konkurrenz geschluckt zu werden. Auch hier hat der Italiener vorgesorgt: Mit der Ankündigung, eine Biotech-Tochter an die Börse zu bringen, hat er den Schering-Kurs nach oben getrieben und sich die Konkurrenz vorerst vom Halse gehalten. Dass er den Börsengang jetzt verschoben hat, hat der Markt promt mit Enttäuschung quittiert. Schering muss aufpassen. Sonst wird das Unternehmen doch noch gefressen.

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