Wirtschaft : Schering AG: Scouts suchen nach Kooperationspartnern

ire/HB

Make or buy? Selber entwickeln oder (dazu-)kaufen? Diese Frage ist für die Forschungsvorstände der großen Pharmakonzerne durch die rasante Entwicklung in der Biotechnologie immer wichtiger geworden. Denn in den letzten zehn Jahren haben sich die Forschungskosten in der Pharmaindustrie verdoppelt, während die Entdeckung neuer chemischer Wirkstoffe deutlich gesunken ist. Die Top-20-Unternehmen der Pharmabranche geben weltweit jährlich rund 40 Milliarden Dollar für die Forschung aus. Darüber hinaus ist die Anzahl der sogenannten "Blockbuster", das sind Medikamente, die einen Jahresumsatz von über 1 Milliarden Dollar aufweisen, außerordentlich selten geworden. Deshalb hat bei der Schering AG, wie in der gesamten Pharmaindustrie, inzwischen ein Umdenken eingesetzt.

Ende der 90er Jahre installierte der Konzern in Deutschland, den USA und Japan jeweils ein "Office of Technologie (OT)", das - mit einer Hand voll Seniorwissenschaftlern ("Scouts") bestückt - die Welt der Biotechnologie nach möglichen Kooperationspartnern auskundschaften soll. "Wir sind die Radarschirme des Konzerns, ausgerichtet auf die neusten Entwicklungen der Branche", erläutert Berthold Baldus, Leiter des deutschen OTs die Aufgaben. "Forschung und Entwicklung werden von einer großen Anzahl neuer Technologien revolutioniert und kaum ein Unternehmen ist in der Lage, alle neuen Technologien zu etablieren. Dabei werden viele innovative Diagnoseverfahren und Therapien von Biotech-Firmen entwickelt", berichtet Baldus. 1999 gab Schering 684 Millionen Euro (19 Prozent des Umsatzes) für Forschung und Entwicklung aus. Rund 191 Millionen Euro aus diesem Topf waren allein für Biotechnologie-Kooperationen reserviert. "Schering sucht neue Produkte, Projekte und Technologien, die uns stärken, sowie Partner mit neuen und guten Ideen. Dabei sind wir keine Investment-Bank und keine Vergabestelle für Subventionen. Wir geben kein Risikokapital, zahlen aber eine Zugangsgebühr für die neue Technologie und beteiligen uns schon einmal direkt an einer Biotech-Firma", berichtet der Leiter des deutschen "Office of Technologie". Befanden sich von Februar 1998 bis Februar 1999 insgesamt 500 Kandidaten im Auswahlverfahren, so kam es schließlich mit 14 Bewerbern zum Abschluss eines Kooperations- oder Lizenzvertrages.

0 Kommentare

Neuester Kommentar