Wirtschaft : Schering-Aufsichtsrat stimmt Bayer-Offerte zu Arbeitnehmer fordern mehr Klarheit über Folgen

Maren Peters

Berlin - Nach dem Vorstand hat auch der Aufsichtsrat des Berliner Pharmakonzerns Schering der Übernahme durch Bayer zugestimmt. Den Aktionären solle die Annahme des Angebots empfohlen werden, teilte der Aufsichtsrat am Montag mit. Die Arbeitnehmervertreter enthielten sich der Stimme. „Wir wollen die Übernahme nicht blockieren, aber wir brauchen mehr Klarheit über die Auswirkungen“, sagte Norbert Deutschmann, der Betriebsratsvorsitzende von Schering, unmittelbar nach der Sitzung.

Der Leverkusener Pharma- und Chemiekonzern Bayer hatte am vergangenen Donnerstag ein Übernahmeangebot für Schering angekündigt. Bayer bietet 86 Euro pro Aktie, das sind insgesamt 16,3 Milliarden Euro – und damit deutlich mehr als der Darmstädter Konkurrent Merck, der sich inzwischen aus dem Bieterwettstreit zurückgezogen hat. Der Bayer-Konzern erwartet nach einer Fusion des eigenen Pharmabereichs mit Schering den Wegfall von 6000 Arbeitsplätzen weltweit. Das wären rund zehn Prozent der Stellen in diesem Bereich.

Schering-Betriebsrat Norbert Deutschmann, der sich gestern zum ersten Mal zu dem Bayer-Angebot äußerte, sagte, mit der Bayer-Offerte am Donnerstagabend sei der Traum von der Unabhängigkeit Scherings ausgeträumt. Auf der anderen Seite herrsche Erleichterung, dass der Sitz des gemeinsamen Pharmageschäfts in Berlin sein werde. Darum sehe der Betriebsrat das Angebot „mit gemischten Gefühlen“. Viele Details der Übernahme seien noch unklar, sagte Deutschmann. So sei nicht bekannt, welche Standorte und welche Arbeitsplätze davon betroffen sein werden. Sorgen um die Abspaltung einzelner Unternehmensteile hat er nicht. „Ich gehe nicht davon aus, dass Bayer angetreten ist, um Schering zu zerschlagen.“

Der Arbeitnehmer-Vertreter kündigte an, Kontakt mit dem Bayer-Betriebsrat aufzunehmen. Noch sei aber nicht sicher, ob nicht weitere Anbieter für Schering kommen könnten, sagte Deutschmann, ohne konkrete Kandidaten zu nennen.

Der Merck-Betriebsrat begrüßte derweil den Rückzug des Konzerns aus dem Bietergefecht. Das Angebot sei zwar korrekt gewesen, Merck wäre nach der Übernahme aber zu sehr von den Banken abhängig gewesen, sagte Betriebsratschef Flavio Battisti dem Tagesspiegel. Er geht davon aus, dass der Konzern weiter nach Übernahmekandidaten suchen wird.

Bayer-Chef Werner Wenning will Anfang kommender Woche mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) über den Arbeitsplatzabbau reden. Dies werde in einem Telefonat geschehen, sagte Regierungssprecher Ulrich Wilhelm am Montag. In erster Linie soll es um den Erhalt der deutschen Standorte sowie um die Zahl der Arbeitsplätze gehen.

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