Wirtschaft : Schering bekommt neuen Forschungschef

Rainer Metternich soll den Posten 2006 übernehmen

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Berlin Dass Scherings Forschungsvorstand Günter Stock seinen Posten aus Altersgründen aufgibt, war bekannt – seit Mittwoch steht nun auch der Name seines Nachfolgers fest: Rainer Metternich, bislang Leiter des europäischen Forschungszentrums von Schering, wird zum 1. Januar 2006 konzernweit die Forschung verantworten. Am Mittwoch bestellte ihn der Aufsichtsrat des drittgrößten deutschen Pharmakonzerns zum Vorstandsmitglied, wie Schering nach der Sitzung des Kontrollgremiums gestern mitteilte.

Der Schering-Vorstandsvorsitzende Hubertus Erlen lobte Metternich als „herausragende Führungskraft“. „Mit seiner wissenschaftlichen Fachkompetenz, seinem internationalen Forschungsnetzwerk sowie seiner umfassenden Kenntnis unseres Geschäfts wird er unser Management-Team wesentlich verstärken“, sagte Erlen.

Der 50-jährige Metternich bringt sowohl Erfahrungen aus der Wissenschaft als auch aus der Industrie mit – keine schlechte Voraussetzung für den verantwortungsvollen Job, wie das Beispiel seines hochgelobten Vorgängers Stock zeigt. Der hatte bis zu seinem 39. Lebensjahr als Universitätsprofessor gearbeitet, bevor ihn die Industrie entdeckte.

Metternich hat in Marburg promoviert und ging danach als wissenschaftlicher Mitarbeiter an die Harvard University. Dann wechselte er in die Industrie, übernahm zunächst bei dem Schweizer Pharmakonzern Sandoz, anschließend beim Konkurrenten Novartis die Durchführung mehrerer Forschungsprogramme. Vor fünf Jahren landete er bei Schering.

Von seinem Vorgänger übernimmt er ein gut bestelltes Feld. Schering macht gute Geschäfte mit seinem Hauptumsatztreiber Betaferon, einem Mittel gegen Multiple Sklerose, und konnte den Umsatz mit der neuen Verhütungspille Yasmin zuletzt zweistellig steigern. Eine weniger glückliche Hand hatte das Unternehmen in den vergangenen Monaten mit wichtigen neuen Kandidaten, die das Wachstum der Zukunft sichern sollen. Das neue Darmkrebsmittel PTK/ZK, von dem sich Schering einen Spitzenumsatz von mehr als einer Milliarde Euro versprochen hatte, enttäuschte bei klinischen Studien. Als Schering die schlechten Nachricht zusammen mit seinem Entwicklungspartner Novartis im März bekannt gab, bracht die Aktie um 15 Prozent ein. Der Markt hat das Mittel schon abgeschrieben, Schering dagegen sucht weiter nach Beweisen, dass das Mittel besser ist als herkömmliche Therapien. Noch muss sich Schering kein großen Sorgen machen: Der Konzern erzielte 2004 das beste Ergebnis der Firmengeschichte.

Das ist auch das Ergebnis eines strikten Kostensenkungsprogramms, das sich das Unternehmen vor zwei Jahren verordnet hatte. „Der neue Forschungsvorstand Metternich muss sein Gewicht so einbringen, dass bei der Neuausrichtung nicht an der Forschung gespart wird“, warnte Pharmaanalyst Matthias Engelmayer von Independant Research.

Der Kurs der Schering-Aktie gab bis zum frühen Abend um 0,9 Prozent auf 50,45 Euro nach. Nach Einschätzung von Marktbeobachtern hat das aber nichts mit der Personalie zu tun, sondern ist auf das schwache Marktumfeld zurückzuführen.

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