Wirtschaft : Schering-Betriebsrat: Vorstand muss auch sparen

Belegschaft des Pharmakonzerns verlangt Solidarbeitrag / Ex-Daimler-Chef für Grenze bei Manager-Gehalt

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Berlin In der Diskussion um die Senkung von Personalkosten in deutschen Unternehmen kommen Manager zunehmend unter Druck. Norbert Deutschmann, Betriebsratschef beim von Stellenabbau bedrohten Pharmakonzern Schering, forderte den Vorstand am Mittwoch in Berlin auf, auf einen Teil seiner Bezüge zu verzichten. Der Ex-Vorstandsvorsitzende von Daimler-Benz, Edzard Reuter, verlangte eine gesetzliche Obergrenze für Managergehälter. Regierung und Industrie lehnten das jedoch ab. Derweil ringen bei Daimler-Chrysler Vorstand und Gewerkschaft weiter um Kostensenkungen am Standort Sindelfingen.

Schering-Chef Hubertus Erlen hatte im Juni angekündigt, 900 Stellen abbauen und zwölf der 24 Standorte schließen zu wollen. Das stößt auf die Kritik von Betriebsratschef Deutschmann. „Wenn der Vorstand von den Mitarbeitern Opfer verlangt, sollte er selbst mit gutem Beispiel vorangehen und auf einen Teil seiner Bezüge verzichten. Das würde schon aus moralischen Gründen Sinn machen“, verlangte er. Dann würden womöglich Einsparungen eher von der Belegschaft akzeptiert.

Auch in anderen Konzernen, die vom Personal Kostensenkungen zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit verlangen, ist die Gehaltskürzung für Vorstände ein Thema. Bereits 2001 hatten die Lufthansa-Führungskräfte auf zehn Prozent ihrer Bezüge verzichtet. Beim angeschlagenen Handelskonzern Karstadt-Quelle hätten die Chefs bereits im April auf zehn Prozent des Gehalts für 2003 verzichtet, sagte ein Konzernsprecher. Wegen Problemen in der Warenhaussparte plant Karstadt-Quelle den Abbau von bis zu 4000 Stellen bis 2006. Zudem sollen Karstadt-Mitarbeiter künftig länger arbeiten, berichtet die „Westdeutsche Allgemeine Zeitung“. Eine Verlängerung der Arbeitszeit auf 40 bis 42 Stunden die Woche sei notwendig, sagte der Vorstandsvorsitzende der Karstadt Warenhaus AG, Helmut Merkel, der Zeitung. Ob die Karstadt-Quelle-Chefs allerdings auch in diesem und dem kommenden Jahr auf einen Teil ihres Gehalts verzichten, werde im Herbst entschieden, sagte ein Konzernsprecher.

Bei Daimler-Chrysler hatte der Vorstand einen Gehaltsverzicht für sich ins Gespräch gebracht – aber nur für den Fall einer Einigung mit dem Betriebsrat über Kosteneinsparungen am Standort Sindelfingen. Die hatten die Parteien bis zum späten Abend noch nicht erzielt. Die Beteiligten bräuchten noch Zeit, aber „es werde konstruktiv“ verhandelt, sagte ein Konzernsprecher. Beide Seiten seien vom Willen geprägt, eine Einigung zu erzielen. Für Donnerstagvormittag kündigte der Sprecher eine Pressekonferenz an. Der Daimler-Chrysler-Vorstand will eine Kostensenkung um 500 Millionen Euro durch den Abbau von Zuschlägen und Pausen durchsetzen. Anderenfalls sollen neue Automodelle an anderen Standorten hergestellt werden – davon wären 6000 der 30000 Jobs in Sindelfingen betroffen.

Der ehemalige Vorstandsvorsitzende von Daimler-Benz, Edzard Reuter, sprach sich unterdessen für eine gesetzliche Obergrenze für die Bezahlung von Unternehmensführern aus. „Es gibt den einen Weg einer vernünftigen Selbstverpflichtung und den anderen der Gesetzgebung“, sagte er im Deutschlandfunk. Fänden die Manager nicht selbst „zur Vernunft“, müsse der Gesetzgeber eingreifen. Die Höhe der Gehälter in den deutschen Vorstandsetagen nannte er „unmoralisch“ und „ethisch nicht begründbar“. SPD-Fraktionsvizechef Joachim Poß beklagte ein „Missverhältnis“ zwischen einigen Managergehältern und den Löhnen von Facharbeitern. „Man kann nicht nach den Managergehältern in die USA schielen, und bei den Gehältern der Arbeitnehmer nach Osteuropa und Asien.“

Industriepräsident Michael Rogowski nannte die Forderung nach einer Obergrenze eine „Schnapsidee“. Und auch die Bundesregierung lehnte eine Obergrenze für Vorstands-Gehälter ab. „Von gesetzlichen Regelungen halte ich nichts“, sagte Wirtschaftsminister Wolfgang Clement. Wenn aber bei den Arbeitern gekürzt werde, dann müsse es allerdings auch die Manager treffen. Justizministerin Brigitte Zypries will einer Sprecherin zufolge zunächst darauf setzen, dass sich die Chefs selbst beschränken – indem sie ihre Bezüge veröffentlichen. Dies sei Teil des neuen Verhaltenskodex für Unternehmensführung. Mit dessen Umsetzung sei Zypries aber bislang noch unzufrieden. brö/ce/hop

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