Wirtschaft : Schering-Betriebsrat will schnell Klarheit

Arvid Kaiser

Leverkusen - Der Schering-Betriebsrat dringt auf schnelle Entscheidungen zu Stellenabbau und -verteilung bei Bayer Schering Pharma. „Die Kollegen warten natürlich auf Ergebnisse, weil sich diese Hängepartie seit März hinzieht“, sagte Betriebsratschef Norbert Deutschmann dem Tagesspiegel. Bis Mitte Dezember müssten alle Posten im neuen Unternehmen verteilt sein – und es müsse klar sein, wer die ungefähr 6000 Beschäftigten sind, die gehen müssen. Vom Vorstand abwärts bis zum mittleren Management sind die Stellen schon verteilt. Deutschmann legt besonderen Wert darauf, dass aus dem Verkauf an Bayer für die Schering-Kollegen kein Ausverkauf wird. „Es gibt schon Bereiche, wo wir merken, dass mehr Bayer-Leute drin sind“, räumte er aber ein.

Bayer hatte Schering für knapp 17 Milliarden Euro übernommen. Das neue Unternehmen Bayer Schering Pharma AG wird im Dezember ins Handelsregister eingetragen. Der Integrationsprozess der Pharma-Unternehmen wird sich aber noch bis zum Jahr 2009 hinziehen. Erst dann werde es Klarheit darüber geben, ob der Standort Berlin unter dem Strich an Bedeutung gewinnen oder verlieren werde, hatte Bayer zuletzt gesagt.

Den Vorstand von Bayer Schering Pharma führt Bayer-Mann Arthur Higgins. Oberster Kontrolleur im Aufsichtsrat ist Bayer-Chef Werner Wenning. Auch der Finanzchef Werner Baumann kommt von den Leverkusenern. Von den übrigen drei Vorstandsmitgliedern sind zwei Leute von Schering, darunter Forschungsvorstand Marc Rubin. Dieser Posten ist besonders wichtig, weil das Unternehmen entscheiden muss, welche Vorhaben in Zukunft weiterverfolgt und welche gestrichen werden. Nicht alles ergänzt sich. In der Krebsforschung beispielsweise sind bislang beide Unternehmen aktiv.

Für Betriebsratschef Deutschmann ist es zu früh, um ein Fazit des Zusammenschlusses zu ziehen. Einen Zwischenstand kann er aber schon melden: „Die Integration ist doch schwieriger und komplexer für Bayer, als ursprünglich mal gedacht.“

Durch die Übernahme soll das größte deutsche Pharma-Unternehmen entstehen. Der gemeinsame Umsatz von Bayer und Schering beträgt gut neun Milliarden Euro. Die Hälfte des Forschungsetats von knapp zwei Milliarden Euro im Jahr soll künftig in die Gesundheitssparte gehen, die ein Drittel zum Umsatz beiträgt. Die Pharma-Entwicklung soll in Berlin, Wuppertal und Berkeley (Kalifornien) konzentriert werden. Als Schwerpunkte für Berlin nannte Bayer die Diagnostische Bildgebung, die Krebsforschung sowie die Gynäkologie.

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