Wirtschaft : Schering-Chef Vita hat keine Angst vor Übernahmen

Berliner Unternehmen plant Akquisitionen in Fernost BERLIN (cbu/mhm/HB)."Für Schering ändert sich nichts." Das sagte Giuseppe Vita, Vorstandsvorsitzender der Schering AG, dem Handelsblatt mit Blick auf die jüngsten drastischen Veränderungen im Pharmasektor.Anfang dieser Wochen hatten die Pharmakonzerne Glaxo Wellcome und Smithkline Beecham ihre Pläne zur Fusion zum dann größten Konzern der Branche bekanntgegeben.Seitdem treibt eine Fusionsphantasie der Börsianer Pharma-Aktien in neue Höhen.Es gebe keine einheitliche Pharmawelt, sondern über 100 abgegrenzte Submärkte, erläutert Vita.Schering sei Marktführer auf Spezialmärkten, etwa bei Diagnostika, bestimmten Therapeutika oder Hormonpräparaten.Dort sei keiner der beiden Fusionskandidaten tätig.Auch immer wieder auftauchende Spekulationen, Schering sei ein Übernahmekandidat, bringen Vita nicht aus der Ruhe."Wenn solche Gerüchte nicht mehr vorhanden sind, müßte ich mir Sorgen um die Attraktivität von Schering machen", meint er.Die Begehrlichkeiten anderer Konzerne seien zwar da, an einen unfreundlichen Übernahmeversuch glaube er nicht.Die Aktien seien breit gestreut, die Zahl der Kleinaktionäre nehme sogar zu.Zudem schütze die seit 1937 bestehende Stimmrechtsbegrenzung auf derzeit vier Prozent des Grundkapitals.Diese solle aber 1998 oder 1999 abgeschafft werden, wenn die gesetzlichen Möglichkeiten zum Rückkauf eigener Aktien gegeben seien.Auch könne ein Übernehmer angesichts der hohen Spezialisierung des Schering-Geschäftes vermutlich nur geringe Einsparpotentiale realisieren.Zudem habe Schering immer eine aktionärsfreundliche Ausschüttungspolitik betrieben und wolle das auch künftig beibehalten. Kontinuität will Schering bei den Ausgaben für Forschung und Entwicklung beweisen, die auch 1998 mit 1,3 Mrd.DM fast 20 Prozent des mindestens geplanten Umsatzes erreichen sollen."Schering ist meiner Meinung nach derzeit stark unterbewertet", räumt Vita ein und verweist auf Analysten, die den Aktienkurs mittelfristig auf 220 bis 250 DM schätzten.Die Börsenkapitalisierung des Pharmakonzerns betrage bei einem Kurs von 200 DM etwa 14 Mrd.DM.Das ist lediglich das 1,75fache des Schering-Umsatzes, der 1997 zwischen 6,2 Mrd.und 6,3 Mrd.DM liegen dürfte; dazu kommen noch die Umsätze aus der 40-prozentigen Beteiligung an der Agrochemiefirma Hoechst-Schering-Agrevo GmbH, die fast vier Mrd.DM erlöst.Der neue Pharmariese aus Glaxo Wellcome und Smithkline Beecham wird dagegen mit einem Börsenwert gehandelt, der dem neunfachen seines Umsatzes entspricht.Attraktiv für Investoren sei Schering auch wegen der liquiden Mittel in Höhe von rund zwei Mrd.DM sowie der Agrevo-Beteiligung, die nach Analysten-Meinung zwischen vier und sechs Mrd.DM wert sein dürfte.Bei Schering wird nach Worten Vitas derzeit darüber diskutiert, ob in der Bilanz 1997 Abschreibungen für das Asien-Geschäft des Konzerns vorgenommen werden sollen.Die angekündigte Dividendenerhöhung für 1997 von 2 DM auf 2,50 DM (5 DM-Aktie) bleibe davon unberührt.Schering will am Montag seine vorläufigen Zahlen für 1997 bekannt geben.Die Prognosen aus dem Herbst 1997 seien richtig gewesen.Damals war ein Gewinnplus von 23 Prozent auf 450 Mill.DM und ein Umsatzplus von knapp 20 Prozent auf 6,2 Mrd.bis 6,3 Mrd.DM vorhergesagt worden.Die aus der Asienkrise resultierenden Umsatz- und Ergebnisrückgänge würden 1998 voraussichtlich durch neue Geschäfte in Europa, Nord- und Südamerika mehr als kompensiert.In Japan werde zwischen 11 und 12 Prozent des Umsatzes erzielt, in den anderen südostasiatischen Staaten um fünf Prozent.Die Krise in Fernost will Schering zu Akquisitionen nutzen.

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