Wirtschaft : Schering: Das Unternehmen beruhigt seine Aktionäre

Susanne Schmitt

Berlin. Für Malte Disselhorst ist es ein Auftritt ohne große Herausforderungen. "Bei Schering gibt es nicht viel zu meckern", sagt der Landesgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Auf der heutigen Hauptversammlung des Berliner Pharmakonzerns wird er Kleinaktionäre vertreten, die ihm ihre Stimme übertragen haben. Allzu viele werden es wohl auch diesmal nicht sein. "Mehr als ein Prozent des Grundkapitals vertrete ich in der Regel nicht", sagt Diesselhorst. Dennoch versucht der Berliner Anwalt, den Anliegen der Kleinaktionäre Gehör zu verschaffen. Und Schering zeigt sich entgegenkommend: Seinen Anteilseignern verschrieb der Pharmakonzern mit einer höheren Dividende und der geplanten Sonderausschüttung bereits eine Beruhigungspille. "Ausgesprochen kleinaktionärsfreundlich", lobt Diesselhorst.

Nach dem erneuten Rekordjahr 2000 ist Schering vor Anlegerkritik weitgehend sicher. Diesselhorst wird nach dem Wechsel von Giuseppe Vita zu Hubertus Erlen an der Unternehmensspitze mehr nach dem Erfolgsrezept für die Zukunft fragen. Kann der Erlen mittelfristig die Gewinnsteigerungen wieder erreichen? Oder wird der neue Boss erst einmal in der Bilanz aufräumen, um dann von einer niedrigeren Basis aus wieder hohe Wachstumsraten beim Gewinn zu erzielen?

Weicht der Vorstand aus, tröstet sich Diesselhorst damit, dass man "auch Rückschlüsse daraus ziehen kann, wie Fragen nicht beantwortet werden". Manche Unternehmen würden sich überhaupt nicht mehr äußern. So weigere sich etwa das Management von Pixelpark hartnäckig, genaue Umsatzprognosen bekannt zu geben. Und das, sagt Diesselhorst, sei sicher bedenklich.

Das Frage-Antwort-Spiel ist immer gut vorbereitet. Vor dem Termin trifft sich Diesselhorst in der Regel mit einem Vorstandsmitglied. Diesmal hat er mit Schering-Finanzvorstand Klaus Pohle geredet. Also eine abgemachte Sache? "Es geht uns nicht darum, die Unternehmen auf der HV vorzuführen, wir wollen möglichst sachliche und genaue Informationen", sagt Diesselhorst. "Kleinaktionäre haben anders als ein institutioneller Investor keinen direkten Draht zum Vorstand." Bei Schering hält die Allianz als größter Anteilseigner zehn Prozent der Papiere, nur 17 Prozent sind im Besitz von Kleinanlegern.

Auf Hauptversammlungen sei es ihm oft begegnet, dass sich Kleinaktionäre bei ihm bedankten, dass er diese oder jene Frage gestellt habe. "Die Unternehmen nehmen unsere Kritik ernst", sagt er. Auf der Checkliste vieler Gesellschaften stehe vor der HV ein Kontakt mit der DSW. Manchmal allerdings hat er Pech. Dann baut der Vorstand die Antworten nach dem Gespräch flugs in die HV-Rede ein. "Da muss man immer etwas in petto haben und sich auf der Versammlung Notizen machen", sagt der Aktionärsvertreter. "Daraus ergeben sich oft noch Fragen."

Mit der Schering-Hauptversammlung beginnt für den Rechtsanwalt die Saison in der Hauptstadt und in den neuen Bundesländern. Insgesamt stehen über 40 Termine an, nicht immer kann Diesselhorst selbst hinfahren. Eng wird es vor allem im Juni, wenn bis zu vier Aktionärstreffen an einem Tag stattfinden. "In den vergangenen vier Jahren hat sich die Zahl der Unternehmen verdoppelt, die wir von Berlin aus betreuen. Das ist dann schon mehr als ein Hobby", sagt Diesselhorst. Doch das Ehrenamt bei der DSW und berufliches Interesse decken sich, denn als Anwalt ist sein Spezialgebiet Gesellschafts- und Aktienrecht. Ein echtes Highlight der Saison wird die Schering-HV für ihn nicht. Das erwartet er erst im August: Dann bittet die von Skandalen gebeutelte Bankgesellschaft Berlin ihre Aktionäre zur Hauptversammlung.

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