Wirtschaft : Schering erfüllt nicht alle Erwartungen

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Die Schering AG hat im dritten Quartal die Erwartungen der Analysten nur zum Teil erfüllt. Während der Berliner Pharmakonzern bei Betriebsergebnis und Konzerngewinn zweistellig zulegte, wuchs der Umsatz im Vergleich zum dritten Quartal 2000 nur um drei Prozent. Konzernchef Hubertus Erlen hält dennoch an seinen Zielen fest. "Mit einem für das Gesamtjahr prognostizierten Konzerngewinn von über 400 Millionen Euro erwarten wir zum sechsten Mal in Folge einen Rekordgewinn", sagte Erlen am Donnerstag bei der Vorlage der Quartalszahlen. Das wäre eine Steigerung von über 20 Prozent gegenüber 2000.

Bei dem bisherigen Kassenschlager Betaferon, einem Medikament zur Behandlung der Multiplen Sklerose, deutet sich nach dem dritten Quartal eine Trendwende an. Das Umsatzwachstum des mit Abstand wichtigsten Schering-Präparates hat sich auf neun Prozent verlangsamt, im Durchschnitt der ersten neun Monate war der Betaferon-Umsatz noch um zwölf Prozent gestiegen, im letzten Jahr sogar um über 30 Prozent. Wesentlich besser entwickelte sich das Konkurrenzprodukt Avonex des US-Pharmakonzerns Biogen. Konzernchef Erlen räumte Marketing-Schwächen auf dem wichtigen US-Markt ein und will viel Geld für eine neue Studie ausgeben, die die Überlegenheit des eigenen Produktes untermauern soll.

Dass er es schafft, auch im kommenden Jahr zweistellige Zuwachsraten mit Betaferon zu erzielen - wie von Erlen am Donnerstag angekündigt - wird von vielen Analysten allerdings bezweifelt. "Bei Betaferon deutet sich eine Umsatzabschwächung an, nachdem sich in den USA eine gewisse Marktsättigung abzeichnet", sagte Isabella Zinck von der Hypo-Vereinsbank.

Alternativ-Produkte, die den Betaferon-Umsatz vollständig ersetzen können, sind bisher nicht in Sicht. Die größten Hoffnungen setzt der Konzern auf die Verhütungspille Yasmin, der Erlen einen Umsatz von 300 Millionen Euro zutraut. Zum Vergleich: Betaferon hat bereits im letzten Jahr über 590 Millionen Euro Umsatz eingebracht. Die Märkte reagierten am Donnerstag nur schwach auf die Quartalszahlen. Der Kurs der Schering-Aktie stieg um 0,94 Prozent auf 59,69 Euro - und damit deutlich schwächer als der Leitindex Dax, der um 2,73 Prozent zulegte. "Der Umsatz lag in allen Segmenten um ein bis zwei Prozent unter den Erwartungen", sagte Peter Spengler, Pharma-Analyst der DG-Bank. Allerdings sei bekannt gewesen, dass das dritte Quartal schwierig werden würde. Im vierten Quartal erwartet Spengler bessere Wachstumsraten.

Das vergleichsweise schwache Umsatzwachstum im dritten Quartal erklärte Erlen vor allem mit dem schwachen Yen und dem harten Generika-Wettbewerb nach dem Patenablauf des Herzpräparates Betapace. Dadurch habe Schering in den USA einen einmaligen Umsatzeinbruch kompensieren müssen. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum stieg der Umsatz um drei Prozent auf 1,169 Milliarden Euro.

Das Betriebsergebnis habe sich dagegen trotz der erwarteten hohen Marketingaufwendungen in den USA für die Einführung neuer Produkte "überzeugend entwickelt", sagte Konzernchef Erlen. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum stieg es um 14 Prozent auf 129 Millionen Euro.

Was Schering mit dem Erlös aus dem Verkauf der Finanzbeteiligung an dem Pflanzenschutzunternehmen Aventis Crop Science an Bayer anstellt gab der Konzern nicht bekannt. Der Verkauf wird dem Berliner Pharmakonzern im kommenden Jahr 1,5 Milliarden Euro in die Kasse spülen. "Wir haben verschiedene Projekte laufen", sagte Finanzvorstand Klaus Pohle, ohne diese näher zu benennen.

Die Aussichten für das kommende Jahr sind verhalten optimistisch. Während Finanzvorstand Pohle trotz Problemen auf dem japanischen Markt ein zweistelliges Gewinn-Wachstum erwartet, haben sich die Hoffnungen auf einen ebenso deutlichen Umsatzzuwachs zerschlagen, da die japanische Regierung per Dekret die Pharmapreise in 2002 um acht Prozent senken werde. Freuen können sich die Aktionäre: Pohle versprach ihnen, dass die Dividende in diesem Jahr mindestens 80 Cents betragen soll.

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