Wirtschaft : Schering erleidet schweren Rückschlag Krebsmittel verzögert – Aktie verliert ein Siebtel

Maren Peters

Berlin - Schering hat am Montag einen herben Rückschlag hinnehmen müssen. Der Berliner Pharmakonzern kann die Zulassung für das neue Krebsmittel PTK/ZK nach schlechten Studienergebnissen erst 2007 beantragen – und damit mindestens ein Jahr später als ursprünglich geplant, wie das Unternehmen am Montag überraschend mitteilte. Eine Hiobsbotschaft auch für die Börse: Der Kurs der Schering-Aktie stürzte bis zum Börsenschluss um 14,87 Prozent auf 49,85 Euro ab und war damit schwächster Wert im Dax. Auch der Aktienkurs des Schweizer Entwicklungspartners Novartis gab nach.

Auf dem Krebsmedikament PTK/ZK ruhen große Hoffnungen. Das Mittel zur Behandlung von Dickdarmkrebs hemmt die Neubildung von Blutgefäßen und soll Tumoren damit die Blutversorgung entziehen. Das Medikament wird als potenzieller Blockbuster gehandelt, es soll Schering einmal einen Spitzenumsatz von mehr als einer Milliarde Dollar pro Jahr einbringen – und damit die Zukunft des drittgrößten deutschen Pharmakonzerns sichern.

Diese Pläne sind nach den jüngsten Studienergebnissen wieder in Frage gestellt. Schering gab jetzt bekannt, dass die klinische Prüfung an Patienten, die der Marktzulassung eines Medikaments vorausgehen, nicht so positiv verlaufen ist, wie erhofft. Bei den bisherigen Studien sei zwar eine „positive Wirkung“ bei der Bekämpfung von Dickdarm-Metastasen festgestellt worden, heißt es in der Mitteilung; die Analyse habe aber „keine statistische Signifikanz“ ergeben, dass Krebs-Patienten bei der Behandlung mit PTK/ZK ohne weitere Geschwüre länger überleben.

Schering will nach Angaben eines Sprechers jetzt weitere Studiendaten auswerten. Die Ergebnisse sollen in der zweiten Jahreshälfte 2006 vorliegen. Sollte Schering den Zulassungsantrag in Europa und den USA wie geplant Anfang 2007 einreichen, kann es bis zu einer Marktzulassung noch einmal mindestens ein Jahr dauern. Das Medikament wäre dann frühestens 2008 in den Apotheken.

Schering gerät dadurch weiter unter Druck. 2008 läuft das Europa-Patent für das bislang umsatzstärkste Produkt Betaferon (siehe Kasten) aus. Das US-Patent steht nach Angaben des Sprechers noch bis 2011. Erst vor zwei Wochen war bekannt geworden, dass ein unbekannter Konkurrent in den USA die Zulassung eines Nachahmermedikaments für die Verhütungspille Yasmin beantragt hat, das zweitwichtige Schering-Mittel. Sollte es zugelassen werden, könnte das den künftigen Umsatz empfindlich schmälern. Bereits im Januar hatte Schering mitgeteilt, dass sich die eigentlich für Anfang 2005 erwartete US-Zulassung des neuen Brustkrebsmittels Bonefos verzögert. Der Konzern braucht daher mittelfristig dringend neue Medikamente.

„Nach den Ergebnissen der jüngsten Studien ist das Risiko für PTK/ZK größer geworden“, sagte ein Münchner Pharmaanalyst. Die Ergebnisse seien „bedenklich“ im Hinblick auf die Markteinführung. Alexander Grosche von der Landesbank Rheinland-Pfalz sprach von einer „herben Enttäuschung“.

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