Wirtschaft : Schering-Geschäft läuft besser als erwartet

Unternehmen rechnet mit Gewinnsprung um 15 Prozent / Aktionäre kritisieren Gentechnik

Berlin (mot).Einen unerwartet positiven Ausblick auf das Geschäftsjahr 1997 hat die Schering AG auf ihrer Hauptversammlung am Mittwoch in Berlin gegeben.Abweichend von den Prognosen im Geschäftsbericht werde beim Gruppengewinn ein Zuwachs zwischen zehn und 15 Prozent erwartet und beim Umsatz ein Anstieg um 14 Prozent auf rund sechs Mrd.DM, sagte der Vorstandsvorsitzende der Schering AG, Guiseppe Vita.Im Geschäftsbericht war Schering noch von einem einstelligen Gewinnwachstum und einem Umsatzplus von elf Prozent ausgegangen.Ebenfalls sehr günstig verliefen Vitas Angaben zufolge die ersten drei Monate des Jahres.Weltweit sei der Umsatz bis Ende März um 21 Prozent gestiegen.Das Quartalsergebnis, das im Zwischenbericht am 13.Mai veröffentlicht werden soll, werde "im Rahmen der genannten Ergebnisprognosen für das Gesamtjahr" liegen, so Vita. Sowohl der gute Jahresauftakt als auch die optimistische Prognose seien auf die günstige Wechselkursentwicklung, insbesondere den Dollaranstieg zurückzuführen.Allein vier Prozent des Umsatzwachstums bis Ende März habe Schering dieser Entwicklung zu verdanken, betonte Vita.Vom insgesamt glänzenden Verlauf des Geschäftsjahres 1996 werden die Aktionäre in Form einer Dividende in Höhe von zwei DM pro Fünf-DM-Aktie profitieren.Einschließlich der Steuergutschrift erhöht sich der Betrag auf 2,86 DM. Vita unterstrich in seiner Rede vor den Aktionären, der Konzern werde sich auch in Zukunft durch Beteiligungen und Kooperationen Innovationspotentiale erschließen, um in Spezialmärkten weltweit führend zu sein.So habe Schering mit der Beteiligung an Jenapharm und dem Erwerb des finnischen Unternehmens Leiras im vergangenen Jahr seine Position im Bereich der Fertilitätskontrolle und Hormontherapie stärken können.Für die Akquisition neuer Partner würden 30 Prozent des Forschungsbudjets eingesetzt, sagte Vita.Die auf der Hauptversammlung geäußerte Forderung, Schering solle sich von seiner Beteiligung am Pflanzenschutzmittelhersteller Agrevo, einem Gemeinschaftsunternehmen mit Hoechst, trennen, kommentierte Vita mit dem Verweis auf die enormen Wachstumschancen im Bereich der Bio- und Gentechnologie.Angesichts des zu erwarteten Anstiegs der Weltbevölkerung auf bis zu zehn Milliarden Menschen im Jahre 2025 könne die Welternährung nur dann gesichert werden, wenn Bio- und Gentechnik eine Schlüsselrolle bei der Nahrungsmittelproduktion zukomme.Schering betrachte die Agrevobeteiligung und sein Engagement in den entsprechenden Technologiefeldern deshalb als strategisch bedeutsam. Diese Position stieß auf nachhaltigen Protest der kritischen Aktionäre, die dem Vorstand vorwarfen, Risiken und Nutzen der Gentechnik nicht ausreichend abzuwägen.Finanzvorstand Klaus Pohle, der sich ebenfalls vehement für die Gentechnik einsetzte, bekräftigte die Absicht, für 500 Mill.DM eigene Aktien zurückkaufen zu wollen, um sich gegen eine mögliche feindliche Übernahme zu wappnen.Ungeachtet des Wahrheitsgehaltes von Übernahmegerüchten werde Schering auch künftig deutlich machen, daß das Unternehmen seinen Aktionären eine klare Perspektive biete und kein geeigneter, weil zu teurer Kandidat für feindliche Übernahmen sei.Erwartungsgemäß wurden Vorstand und Aufsichtsrat entlastet.

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