Wirtschaft : Schering: Gewinn 1998 eventuell unter Plan

BERLIN (rtr).Die Schwäche des US-Dollars könnte den Gewinn des Pharmakonzerns Schering deutlich schmälern.Wenn der Dollarkurs im vierten Quartal bei rund 1,60 Mark bleibe, werde der Nettogewinn 1998 eventuell um ein bis zwei Prozentpunkte weniger wachsen als bislang angenommen, sagte Schering-Finanzvorstand Klaus Pohle in einem Interview der "Börsen-Zeitung".In seinen bisherigen Planungen war das Unternehmen von einem Gewinnwachstum von acht bis neun Prozent ausgegangen.Der negative Umsatztrend aus dem zweiten Quartal habe sich im dritten Quartal aber nicht fortgesetzt.Der Kurs der Schering-Aktie gab vorübergehend kräftig nach.

Das für 1999 anvisierte zweistellige Ertragswachstum sei aus heutiger Sicht wegen der Währungssituation kaum machbar, sagte Pohle weiter.Die Dividende solle 1998 im gleichen Maße wie der Gewinn steigen.In der Region Asien/Pazifik werde Schering höhere Verluste als vorhergesagt hinnehmen müssen, sagte der Finanzvorstand.Nachdem bisher Umsatzverluste von 100 Mill.DM und Ergebniseinbußen von 20 bis 25 Mill.DM erwartet worden seien, werde nun mit Umsatzeinbußen von rund 140 Mill.DM und negativen Ergebniseffekten von etwa 30 Mill.DM gerechnet.Im Raum Asien/Pazifik rechne er zudem mit einer recht schwachen Entwicklung in den nächsten drei Jahren.Auf dem deutschen Markt sehe er im kommenden Jahr kein Wachstum.

Im abgelaufenen dritten Quartal sei das Geschäft in Asien aber besser gelaufen als in der ersten Jahreshälfte, sagte Pohle weiter.Zwischen Juli und September 1998 sei das Geschäft in lokalen Währungen gut gewachsen.Trotz der Probleme Scherings in Lateinamerika sei dort zugelegt worden.Der Konzern war seit Juli in Brasilien mehrfach kontrolliert und die Produktion der Anti-Baby-Pille zeitweise gesperrt worden, nachdem Verhütungspillen ohne Wirkstoff auf dem Markt aufgetaucht waren.In den USA habe Schering in den ersten neun Monaten in DM ein zweistelliges Wachstum erreicht und Marktanteile gewonnen, sagte Pohle.Schering erziele in den USA jedoch nur 21 Prozent seines Umsatzes."Wenn wir den Anteil nicht auf 34 Prozent erhöhen, werden wir auf absehbare Zeit nicht an die Rendite der US-Wettbewerber herankommen", sagte er.

Die Hoechst-Tochter Agrevo werde in den kommenden drei bis vier Monaten noch zwei bis drei Saatgutfirmen übernehmen, kündigte Pohle an.Der Kurs der Schering-Aktie sank nach Händlerangaben zunächst um 7,90 DM auf ein vorläufiges Tief von 172 DM, stieg aber am Nachmittag wieder auf 180 DM.Händler bleiben dennoch bei der Kaufempfehlung für die Schering-Aktie.

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