Wirtschaft : Schering profitiert vom US-Geschäft

Pharmakonzern will zweistellig wachsen/Probleme mit Wechselkursschwankungen und Zulassungsbehörden

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Berlin (pet). Der Berliner Pharmakonzern Schering hat im dritten Quartal trotz hoher Wechselkursbelastungen Umsatz und Gewinn gesteigert. „Schering ist bei seiner Wachstumsstrategie gut auf Kurs“, sagte Vorstandschef Hubertus Erlen bei der Vorlage aktueller Zahlen am Montag in Berlin. Er bestätigte die Prognose für das Gesamtjahr. Davon werden auch die Aktionäre profitieren: Der Vorstand will der Hauptversammlung eine Anhebung der Dividende um gut zehn Prozent auf 0,93 Euro vorschlagen.

Schering konnte im dritten Quartal vor allem von einem guten USAGeschäft profitieren. Auch das wichtigste Schering-Medikament Betaferon, ein Mittel gegen Multiple-Sklerose, konnte den Marktanteil in den vergangenen drei Monaten ausbauen. Der Verkauf stieg in den USA um 21 Prozent. Analysten hatten die Entwicklung mit Spannung beobachtet, da zu Beginn des Jahres das Konkurrenzprodukt Rebif der Schweizer Biotechfirma Serono in den USA zugelassen worden war. Schering will nach Angaben von Konzernchef Erlen jetzt versuchen, die Anwendung von Betaferon auch auf ein frühes Stadium der Multiplen Sklerose auszudehnen. „Wir hoffen, dass uns das auch für die nächsten Jahre Wachstum sichert“, sagte Erlen.

Insgesamt steigerte Schering den Umsatz im dritten Quartal nach eigenen Angaben um vier Prozent auf 1,2 Milliarden Euro. Ohne Währungsprobleme hätte das Umsatzwachstum Erlen zufolge bei zehn Prozent gelegen. Das Betriebsergebnis kletterte um 13 Prozent auf 129 Millionen Euro. Am Montag stieg der Kurs der Schering-Aktie um 3,22 Prozent auf 47,48 Euro.

Die Analysten waren sich in der Bewertung der Zahlen aber nicht ganz einig. „Die Zahlen lagen im Rahmen meiner Erwartungen“, sagte Isabella Zinck von der Hypo-Vereinsbank. „Für mich gab es keine Überraschungen.“ Dass die Wechselkurse das Ergebnis belasten würden, habe jeder kommen sehen, sagte Zinck. Dagegen sagte Oliver Kämmerer, Pharma-Analyst der Privatbank Julius Bär, vor allem der operative Gewinn sei schlechter als erwartet gewesen. Auch von der Wirtschaftsagentur Reuters befragte Analysten hatten statt der vorgelegten Gewinnsteigerung von 13 Prozent im dritten Quartal mit einem Plus von 20 Prozent gerechnet.

Als Unsicherheitsfaktoren für die Zukunft gelten neben den Wechselkursen auch die weiterhin unsichere Entwicklung in Lateinamerika sowie die Zulassung der Hormonersatzprodukte in den USA. Die US-Zulassungsbehörde FDA hatte vor gut einer Woche dem neuen Schering-Hormonersatzprodukt Angeliq, das eigentlich ab 2003 verkauft werden sollte, vorläufig keine Zulassung erteilt. Der Aktienkurs war daraufhin um bis zu 16 Prozent auf ein neues Jahrestief von 44,41 Euro gesunken. Wenige Tage zuvor hatte Schering mitgeteilt, dass sich auch die Zulassung für das neue Hormonpflaster Climara gegen Wechselbeschwerden verzögere.

Auch am Montag machte Schering-Chef Erlen keine Angaben, ob und wann die Produkte zugelassen werden. „Es ist eine offene Frage, wann wir in den US-Markt gehen“, sagte er. Im ungünstigsten Fall könne das zweieinhalb Jahre dauern. Die Zulassungsbehörde habe Schering noch keine neuen Erkenntnisse mitgeteilt. Wie lange sich die Zulassung in Europa hinziehen könnte, wollte Erlen nicht kommentieren. Solange der Ausgang des Verfahrens noch offen ist, tun sich die Analysten schwer damit, für die Aktie neue Kursziele abzustecken. „Da bräuchte man eine Glaskugel, um zu sehen, was sich ändert“, sagte Hypo-Vereinsbank-Analystin Zinck.

Ein weiteres Risiko für Schering ist die Entwicklung in Brasilien und Argentinien, die von Wirtschaftskrisen erschüttert werden. Schering-Finanzvorstand Klaus Pohle sagte zwar am Montag, „ich vermute, wir haben den Tiefpunkt gesehen“ – Analysten bleiben dagegen skeptisch. Auch nach der Wahl des Sozialisten Lula zum brasilianischen Präsidenten bleibe die Landeswährung Real ein Unsicherheitsfaktor, sagte Julius-Bär-Analyst Kämmerer. „Ich bleibe skeptisch, dass es schon vorüber ist.“

Dennoch geht der Analyst davon aus, dass Schering die Prognose für das Gesamtjahr einhalten kann. Für dieses Jahr erwartet Schering beim Betriebsgewinn ein Wachstum von knapp über zehn Prozent. Im kommenden Jahr will der Konzern nach Aussage Erlens beim Umsatz im oberen einstelligen Bereich zulegen. Der Gewinn solle überproportional steigen.

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