Wirtschaft : Schering senkt Bezüge der Aufsichtsräte

Aktionäre kritisieren dennoch Höhe des Entgelts – Konzern will Gewinn 2005 stärker steigern als Umsatz

Maren Peters

Berlin - Schering hat die Bezüge seiner Aufsichtsräte gesenkt – und trotzdem heftige Kritik der Aktionäre geerntet. „Die Gesamthöhe ist immer noch unangemessen hoch“, sagte Kai Weigert von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger am Donnerstag auf der Hauptversammlung in Berlin. Aufsichtsratschef Giuseppe Vita wies den Vorwurf zurück. „Die Höhe steht in angemessenem Verhältnis zur Qualität der Aufsichtsräte“, sagte er. Im Vergleich zu anderen Dax-Konzernen seien die Bezüge zwar hoch, aber „es gibt die Möglichkeit, dass die anderen Aufsichtsräte zu niedrig bezahlt werden.“ Nach den ersten Monaten dieses Jahres sieht sich der Konzern auf gutem Weg, die selbst gesteckten Ziele für 2005 und 2006 zu erreichen. Die Zahlen für das erste Quartal will Schering erst am 25. April vorlegen.

Schon seit dem vergangenen Jahr ist die Vergütung des Kontrollgremiums, die bis dahin an die Dividende geknüpft war, zum Teil an den Aktienkurs gekoppelt. Aktionärsschützer hatten schon damals gegen diese Kopplung und die Höhe der Bezüge protestiert – und dem obersten Kontrolleur Vita das Zugeständnis abgerungen, die umstrittene Regelung „ergebnisoffen“ zu prüfen.

Mit dem Ergebnis sind die Aktionäre zwar nicht zufrieden, sie stimmten auf der Hauptversammlung aber trotzdem mit großer Mehrheit zu. Die Koppelung an den Kurs wird beibehalten, die Gesamthöhe der Bezüge, gemessen am Ergebnis des Jahres 2004, aber um 20 Prozent gesenkt. Gemessen am erwarteten Gewinnplus in diesem Jahr wird das Entgelt nach Einschätzung des größten deutschen Fonds DWS insgesamt aber nicht weniger werden. Im vergangenen Jahr erhielten die 19 Schering-Kontrolleure laut Geschäftsbericht insgesamt rund 2,8 Millionen Euro. Auf den Vorsitzenden Vita entfielen 368 000 Euro.

„Im Vergleich mit dem Jahresüberschuss anderer Pharmaunternehmen liegt die Aufsichtsratsvergütung bei Schering immer noch doppelt bis zehnmal so hoch“, kritisierte Stefan Howaldt, Geschäftsführer des Hermes-Fonds, der ein Prozent an Schering hält. Die Konkurrenz bringe es aber auf eine operative Marge (Betriebsergebnis in Prozent des Umsatzes) von durchschnittlich 25 Prozent, während Schering für 2006 eine Marge von 18 Prozent anpeilt. „Man fragt sich, ob Schering richtig aufgestellt ist, um im Wettbewerb mit anderen Pharmaunternehmen zu bestehen“, sagte er.

Vorstandschef Erlen hat daran keine Zweifel. Er hält am Umsatzziel für 2005 fest – trotz der Rückschläge bei der Zulassung wichtiger Medikamente wie dem Krebsmittel PTK/ZK und drohender Nachahmer-Konkurrenz bei der umsatzstarken Verhütungspille Yasmin in den USA hält. Auch in diesem Jahr sollen Yasmin und das Multiple-Sklerose-Medikament Betaferon – bislang das wichtigste Schering-Produkt – den stärksten Wachstumsbeitrag leisten.

Erlen erwartet, dass der Gewinn auch in diesem Jahr stärker als der Umsatz steigen wird, gibt aber keine genaue Prognose. Helfen beim Erreichen des Ziels soll das laufende Sparprogramm „Focus“, das unter anderem den Abbau von 2000 Arbeitsplätzen vorsieht. Im vergangenen Jahr hatte Schering bei einem Umsatz von 4,9 Milliarden Euro einen Gewinn von 500 Millionen Euro erzielt – ein plus von 13 Prozent. Das Betriebsergebnis übertraf mit 761 Millionen Euro den Wert des Vorjahres um elf Prozent. Auch die Aktionäre profitieren davon: mit einer Dividende von einem Euro pro Aktie.

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