Wirtschaft : Schering setzt auf Krebs-Medikamente

Programme für bessere Renditen erfolgreich/Weltmarktführer bei Verhütungsmitteln

Daniel Rhee-Piening

Berlin - Der drittgrößte deutsche Pharmakonzern, die Berliner Schering AG, setzt auch im laufenden Jahr auf Betaferon, ein Mittel zur Behandlung von Multipler Sklerose, und Yasmin, eine Verhütungspille. Daneben wird intensiv an neuen Produkten geforscht. „Wir haben die Weichen für weiteres Gewinnwachstum gestellt“, sagte der Vorstandsvorsitzende Hubertus Erlen am Freitag auf der Bilanzpressekonferenz. Der Umsatz solle im „mittleren einstelligen Bereich“ wachsen. Die Börse reagierte nur verhalten auf die Prognose. Der Schering-Kurs kletterte bis zum Börsenschluss um 0,8 Prozent auf 55,75 Euro.

Bei den hormonellen Kontrazeptiva ist Schering mit einem Marktanteil von 26 Prozent Weltmarktführer. Renner ist die Pille Yasmin, deren Umsatzwachstum 2005 zweistellig ausfallen soll. Bei Betaferon profitieren die Berliner davon, dass Biogen kürzlich ein Medikament wegen des Verdachts eines Todesfalls zurückgezogen hat. Am Freitag musste Biogen mitteilen, dass es einen zweiten Patienten gebe, der mit dem Multiple-Sklerose-Mittel Tysabri behandelt worden sei, und nun an einer häufig tödlichen Erkrankung des zentralen Nervensystems leide.

Im vergangenen Jahr wuchs der Konzernumsatz von Schering um zwei Prozent auf 4,9 Milliarden Euro, der Konzerngewinn kletterte um 13 Prozent auf 500 Millionen Euro. „Wir sind unserem Ziel, eine operative Marge von 18 Prozent zu erreichen, deutlich näher gekommen“, sagte Finanzvorstand Jörg Spiekerkötter. „Die Programme greifen.“ Im vergangenen Jahr konnte sie von 14,2 Prozent auf 15,5 Prozent erhöht werden, im laufenden Jahr soll sie auf mehr als 16 Prozent steigen.

Erlen setzt dabei auch auf Bonefos. Das Mittel ist seit 1990 zur Behandlung von tumorbedingten Knochenzerstörungen zugelassen und in rund 80 Ländern auf dem Markt, jedoch nicht in den USA. Noch in diesem Monat sollen die von der US-Zulassungsbehörde FDA kürzlich geforderten Gespräche aufgenommen werden. Der Vorstandschef erwartet jedoch die schnelle „Zulassung von einem Mittel, das bereits für eine andere Indikation zugelassen worden ist“.

Ende des Jahres soll dann das Zulassungsverfahren für PTK/ZK begonnen werden, das gemeinsam mit Novartis entwickelt wird und zunächst bei der Behandlung von Darmkrebs zur Anwendung kommen soll. Erlen erwartet die Zulassung für das Jahr 2007. Zu einem späteren Zeitpunkt könnte es auch bei Lungenkrebs zum Einsatz kommen. Erlen ist überzeugt davon, dass dies ein so genannter Blockbuster werden kann. Allein Schering erhofft sich davon einem Umsatz von mindestens einer Milliarde Euro. Die Berliner werden federführend für den Vertrieb in Europa, Novartis für den Vertrieb in USA sein. Den Gewinn wollen sich die beiden Unternehmen teilen.

Weiterhin hoch bleiben sollen die Ausgaben für Forschung und Entwicklung, die im vergangenen Jahr 919 Millionen Euro und damit fast 19 Prozent vom Umsatz erreichten. Dies sei deutlich mehr als der Branchendurchschnitt, sagte Erlen. Die Investitionen sollen 2005 von 212 auf rund 240 Millionen Euro steigen.

Die Aktionäre sollen am guten Ergebnis teilhaben. Die Dividende wird von 0,93 auf einen Euro erhöht. Die Hauptversammlung findet am 14. April in Berlin statt.

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