Wirtschaft : Schering-Übernahme in den USA geplatzt

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Eine von der Schering AG angekündigte Übernahme in den USA im Wert von 500 Millionen Dollar (578 Millionen Euro) ist geplatzt. Das sagte der Finanzvorstand des Berliner Pharmaunternehmens, Klaus Pohle, am Freitag bei der Bilanzvorlage in Berlin. Das Unternehmen bekräftigte aber erneut, dass das US-Geschäft gestärkt werden soll. Im vergangenen Jahr konnte Schering seinen Gewinn zweistellig steigern. Auch 2002 erwartet Pohle wieder ein zweistelliges Gewinnwachstum.

Pohle sagte am Freitag, die angekündigte Transaktion mit einem Hersteller von Dermatologie (Haut-)Produkten in den USA sei geplatzt, weil der Verkäufer seine Strategie plötzlich gewechselt habe. Er wolle jetzt nicht mehr verkaufen. Schering verhandle weiter über kleinere Übernahmen, um sein US-Geschäft zu stärken. Mitte März soll eine erste Beteiligung bekanntgegeben werden.

Das Berliner Pharmaunternehmen hatte im vergangenen Jahr eine 24-prozentige Finanzbeteiligung an der Aventis-Pflanzenschutztochter Crop-Science an Bayer verkauft. Schering rechnet bis März mit einem Erlös von 1,5 Milliarden Euro. Dann soll die Prüfung durch die Behörden abgeschlossen sein. Einen Teil der Erlöse will Schering für Zukäufe und Kooperationen verwenden, um insbesondere in den Geschäftsbereichen Onkologie (Krebs) und Dermatologie die eigene Position zu stärken. Besonders interessante Partner sind US-Unternehmen: Der amerikanische Markt ist aufgrund freier Preisgestaltung sehr lukrativ.

Schering hatte vorher bekanntgegeben, dass der Gewinn 2001 um 24 Prozent auf 418 Millionen Mark gestiegen ist. Der Umsatz stieg um acht Prozent auf 4,84 Milliarden Euro. Von der guten Bilanz werden auch die Aktionäre profitieren: Der Vorstand will der Hauptversammlung am 12. April eine Dividende von 0,83 Euro pro Aktie vorschlagen, nach 0,67 Euro im Vorjahr. Dann sollen auch ein neues Logo und der Nachfolger von Finanzvorstand Pohle bekanntgegeben werden, der im April 2003 in Rente geht.

Auch für das laufende Jahr kündigte Finanzvorstand Pohle ein zweistelliges Wachstum beim Gewinn an. Das Umsatzwachstum werde dagegen nur im hohen einstelligen Bereich wachsen. Der Finanzvorstand begründete das insbesondere mit Probleme in Japan. Die japanische Regierung werde die Preise für Medikamente in diesem Jahr um bis zu acht Prozent herabsetzen. Auch die erwartete Abwertung des Yen macht dem Unternehmen zu schaffen. "Japan verhagelt uns das zehnprozentige Wachstum", sagte Pohle. Dagegen erwartet Schering im laufenden Jahr ein über 20-prozentiges Wachstum auf dem Schlüsselmarkt USA, wo bereits ein Viertel des Umsatzes erzielt wird. In den USA hatte Schering im Vorjahr viel Geld in den Aufbau von Marketing und Vertrieb für die neue Anti-Baby-Pille Yasmin ausgegeben. Das hatte das Betriebsergebnis belastet. Auf Yasmin, dem neuen Verhütungsmittel Mirena und dem Krebsmedikament Campath ruhen Scherings Hoffnungen für die Zukunft. Umsatzstärkstes Produkt bleibt aber vorerst das Multiple-Sklerose-Medikament Betaferon.

Als "einer der ersten Vertreter eines deutschen börsennotierten Unternehmens" hat Schering-Chef Hubertus Erlen seine Bezüge im aktuellen Geschäftsbericht offen gelegt. Danach verdiente Erlen im vergangenen Jahr 241 330 Euro Festgehalt sowie variable Bezüge in Höhe von 1,4 Millionen Euro.

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