Wirtschaft : Schering übertrifft die Erwartungen

Nach einem guten zweiten Quartal legt der Aktienkurs deutlich zu. Was fehlt, sind neue Medikamente

Maren Peters

Berlin - Mit seiner Halbjahresbilanz hat Schering die Börse überzeugt: Dank steigender Verkaufszahlen mit Verhütungsmitteln und Scherings wichtigem Multiple-Sklerose-Mittel Betaferon legten Umsatz und Gewinn vor allem im zweiten Quartal deutlich zu, wie das Berliner Pharmaunternehmen am Freitag mitteilte. Die Zahl der Mitarbeiter ging unterdessen weiter zurück.

Nach dem überraschend guten Auftakt zeigte sich Vorstandschef Hubertus Erlen auch für die zweite Jahreshälfte optimistisch. „Die Stärke unserer wichtigsten Produkte, die wir im ersten Halbjahr gesehen haben, macht uns zuversichtlich, dass sich die hohe Dynamik im zweiten Halbjahr fortsetzt“, sagte er dem Tagesspiegel. Erlen schraubte die Umsatzerwartung für das Gesamtjahr nach oben und will noch profitabler werden, als bisher geplant.

An der Börse kam die Nachricht gut an: Die Schering- Aktie setzte sich am Freitag an die Spitze des Dax. Zum Börsenschluss notierte das Pharmapapier bei 52,67 Euro – ein Plus von 2,2 Prozent.

Im zweiten Halbjahr hat das drittgrößte deutsche Pharmaunternehmen vor allem von der starken Nachfrage nach der Antibaby-Pille Yasmin profitiert, die seit 2004 auf dem US-Markt verkauft wird. Der Umsatz des zweitwichtigsten Medikaments stieg im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um mehr als 30 Prozent. Das Mittel ist nach Schering-Angaben weltweit das umsatzstärkste orale Verhütungsmittel. Auch mit Betaferon, einem älteren Mittel, das aber immer noch den größten Beitrag zum Umsatz leistet, konnte Schering zulegen, im zweiten Quartal sogar um 17 Prozent.

Insgesamt stieg der Umsatz im zweiten Quartal im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um acht Prozent auf 1,3 Milliarden Euro, das Betriebsergebnis um 17 Prozent auf 236 Millionen Euro. Ein kräftiges Plus gab es auch beim Konzerngewinn, der um 34 Prozent auf 176 Millionen Euro zulegte. Dabei half dem Unternehmen aber nach eigenen Angaben der Veräußerungsgewinn für das Hamburger Unternehmen Medac, das im zweiten Quartal für 43 Millionen Euro verkauft wurde. Den Preis hatte Schering bislang nicht genannt

„Die Zahlen waren wirklich erfreulich“, sagte Matthias Engelmayer, Pharmaanalyst vom unabhängigen Analyseinstitut Independent Research. Vor allem das Konzernergebnis sei deutlich höher ausgefallen als erwartet. „Für die Aktie wird es mittelfristig aber entscheidend sein, ob es positive Nachrichten zu neuen Medikamenten gibt“, sagte Engelmayer. In den vergangenen Monaten hatte es viele Rückschläge gegeben. So musste Schering im März negative Studienergebnisse bei dem größten Hoffnungsträger, dem Krebsmittel PTK/ZK bekannt geben, das die Berliner zusammen mit Novartis entwickeln. Der Kurs des Pharmapapiers brach damals um 15 Prozent ein. „Die Aktie braucht einen neuen Kurstreiber“, sagte Engelmayer.

Auch Andreas Theisen von der WestLB zeigte sich überrascht über die guten Zahlen. Finanzinvestoren würden jetzt aber genau darauf achten, ob Schering einen Fortschritt bei der Entwicklung neuer Medikamente mache. „Wir brauchen Klarheit“, sagte der Analyst.

Schering-Chef Erlen bestätigte am Freitag, dass neue Studienergebnisse zu PTK/ZK im zweiten Halbjahr 2006 vorgelegt werden. Anfang 2007 soll dann die Marktzulassung beantragt werden – mehr als eineinhalb Jahre später als eigentlich geplant.

Für das Gesamtjahr hat sich das Pharmaunternehmen vorgenommen, profitabler zu werden. Die operative Marge, also das Verhältnis von Betriebsergebnis zu Umsatz, soll nach Angaben Erlens auf 16,5 bis 17 Prozent steigen. Bislang hatte Schering eine Steigerung auf 16 Prozent angekündigt. An dem Ziel, im kommenden Jahr eine Marge von 18 Prozent zu erreichen, hält Erlen fest.

Der Konzern hatte vor einem Jahr ein großes Spar- und Effizienzprogramm („Focus“) auf den Weg gebracht, um die Kosten zu senken. Bis 2006 sollen unter anderem 2000 Stellen abgebaut werden, die meisten davon in Deutschland einschließlich Berlin. In der deutschen Schering AG ist die Zahl der Beschäftigten im letzten halben Jahr um rund 400 auf 7400 gesunken.

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