Wirtschaft : Schering verspielt Vertrauen

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Von Maren Peters

Für Schering ist die Bilanz nach dem zweiten Quartal verheerend: Der Umsatz ging um neun Prozent zurück, das Ergebnis schrumpfte sogar um zwölf Prozent. Und das Allerschlimmste: Zum ersten Mal nach sieben Rekordjahren in Folge kann das Berliner Pharmaunternehmen das Ergebnis des Vorjahres nicht übertreffen. Als erstes europäisches Pharmaunternehmen in diesem Quartal musste Konzernchef Hubertus Erlen sogar eine Gewinnwarnung aussprechen – und Entlassungen ankündigen. Die Begründung ist schlicht. Wechselkursschwankungen und die Belastungen durch die geplante Gesundheitsreform verderben die Laune.

Nicht die Zahlen sind erschreckend – so etwas kann in einem marktorientierten Unternehmen schon mal passieren. Schwerer wiegt der Vertrauensverlust. Konzernchef Erlen hatte zwar schon vor einem Vierteljahr, bei der Vorlage der Zahlen für das erste Quartal, gesagt, dass die Währungsrisiken gestiegen sind. Aber er hatte trotzdem die Ziele für das Gesamtjahr bestätigt. Drei Monate später ist der Euro im Verhältnis zum Dollar sogar wieder auf dem Weg der Besserung – und trotzdem spricht Erlen eine Gewinnwarnung aus. Da liegt die Vermutung nahe, dass der schwache Auftritt noch andere Gründe haben könnte als nur die Währung, auf die ein Unternehmen schließlich keinen Einfluss hat. Schering trägt ein ungelöstes Kostenproblem mit sich herum. Das heißt: Das Wachstum ist zu schwach, die Kosten im Verhältnis dazu zu hoch. Und auf dieses Problem hat Schering bisher nicht in angemessener Form reagiert.

Die Reaktion ist jetzt umso heftiger: Konzernchef Erlen kündigt verschärfte Sparmaßnahmen an und will bis Ende des Jahres 300 Stellen streichen. Das sind zwar immer noch nicht viele in einem Konzern, der weltweit mehr als 26 000 Mitarbeiter zählt, aber für Schering und seine Mitarbeiter, die sich in den vergangenen Jahren erfolgsverwöhnt zurücklehnen durften, eben doch ein herber Schlag. Es dürfte nicht der letzte bleiben: Wenn Schering wieder auf den alten Pfad zurückfinden will, hat es nur zwei Möglichkeiten: es kann stärker wachsen – doch das ist angesichts wachsender Produktkonkurrenz schwierig – oder die Kosten im EuroRaum weiter drücken. Und das heißt, dass weitere Entlassungen wahrscheinlich sind.

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