Wirtschaft : Schering will 2001 an die Wall Street

ANDREAS MIHM (HB)

BERLIN .Der Pharmakonzern Schering plant für das 2.Quartal 2001 den Gang an die Wall Street.Ein früherer Termin komme aus unterschiedlichen Gründen nicht in Betracht, sagte der stellvertretende Schering-Vorstandsvorsitzende und Finanzchef Klaus Pohle im Gespräch mit dem Handelsblatt.Erste Entscheidungen für die geplante Registrierung bei der US-Börsenaufsicht SEC könnte die Schering-Hauptversammlung im Frühjahr 2000 treffen.Für die Wall-Street-Pläne gebe es vor allem zwei Gründe, sagte Pohle.Zum einen gehe von den Mitarbeitern in den USA ein "erheblicher Druck" auf die Ausgabe von Aktienoptionen aus."Wenn Sie keine Stock-Options einräumen können, dann bekommen Sie nicht mehr die Top-Mitarbeiter von den Universitäten", sagte Pohle.Schering habe in den USA bereits "Phantom-Aktien" entwickelt, die man versuche so zu bewerten, wie an der Börse.Doch die Mitarbeiter verlangten echte Aktien, die am Markt bewertet würden.Diese dürften aber aus Gründen des Anlegerschutzes in den USA nur dann ausgegeben werden, wenn das entsprechende Unternehmen nach den SEC-Regeln registriert worden sei.

Der zweite Grund für die Börsenpläne sei die bisher fehlende Möglichkeit, eigene Aktien im Rahmen eines Aktientauschs bei der Akquisition von Firmen einsetzen zu können, sagte Pohle.Es gebe unterschiedliche Begründungen dafür, warum Verkäufer lieber Aktien als Bargeld akzeptierten.Schering sei bereits bei Akquisitionen ins Hintertreffen geraten, weil es gegen Unternehmen konkurriert habe, die ihre Aktien in den USA registriert hatten."Wir müssen jetzt sehen, wie wir den Nachteil wieder ausgleichen", sagte Pohle.Schering ist seit längerem auf der Suche nach Übernahmekandidaten, vor allem im Bereich der Biotechnologie.Pohle hat aber auch immer wieder die hohen Preise beklagt, die selbst für kleine Firmen verlangt würden.

Daß die USA für Schering auch als Absatzmarkt von strategischer Bedeutung sind, hatte Vorstandschef Giuseppe Vita noch auf der Hauptversammlung in der vergangenen Woche verdeutlicht.Hier will Schering das Geschäft zielstrebig ausbauen.Diese Expansion soll vom Gang an den größten Kapitalmarkt der Welt begleitet werden.Genaue Details dafür lägen aber noch nicht vor, sagte Pohle.Er gehe aber davon aus, daß Schering am "Big Board" der Wall Street notiert werde.Zuvor habe man aber noch eine Reihe von Problemen zu bewältigen.Denn die SEC-Registrierung sei umfangreich, kostenaufwendig und personalintensiv."Damit wird ein Team von fünf Top-Leuten für ein Jahr blockiert", sagte er: "Unser Engpaß sind die Menschen, die so etwas vorbereiten können".

Hinzu komme die Umstellung für das Unternehmen.Schering habe deutschlandweit die Bilanzierung nach Regeln des International Accounting Standards (IAS) mit vorangetrieben.Rechnungslegung nach IAS werde aber von der US-Börsenaufsicht nicht akzeptiert.Es gebe keine Alternative, als das Bilanzwerk umzustellen und künftig nach den erweiterten Bestimmungen des US-GAAP (General Agreement on Accounting Principles) zu bilanzieren, sagte Pohle.Weil die bei der SEC-Registrierung vorgelegte Bilanz nicht älter als fünf Monate sein dürfe, müsse man im Mai alle Vorbereitungen beendet haben, denn das Schering-Geschäftsjahr ist mit dem Kalenderjahr identisch."Weil wir wissen, daß wir es zum Mai 2000 nicht schaffen, haben wir jetzt das zweite Quartal 2001 angepeilt", sagte Pohle.Die Aktien für den Gang an die Wall Street könnten aus dem Aktien-Rückkaufprogramm stammen, das Schering im November 1998 begonnen hat.

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