Wirtschaft : Schering will Aktien-Kauf bis Ende des Jahres verlängern

BERLIN (alf).Eine positive Zwischenbilanz der Aktien-Rückkaufaktion hat die Schering AG gezogen.Finanzvorstand Klaus Pohle sagte am Mittwoch abend, "das Programm läuft völlig planmäßig".Beginnend mit dem 12.November letzten Jahres hat das Pharmaunternehmen bislang in drei Tranchen Aktien zurückgekauft.Insgesamt wurden dabei 684 000 Aktien zu einem Durchschnittskurs von 201 DM (102,5 Euro) erworben, den Kauf wickelten die Institut JP Morgan, BHF Bank und Deutsche Bank ab.Weitere sieben Tranchen sind geplant.Allerdings hänge die Fortsetzung der Rückkaufaktion von möglichen Übernahmen ab; gegenwärtig habe Schering "drei bis vier" Akquisitionen in Arbeit, in den kommenden Monaten sei eine abschlußreife Übernahme aber nicht in Sicht, sagte Pohle.

Schering hatte sich als erstes großes deutsches Unternehmen im vergangenen Jahr von der Hauptversammlung zum Kauf eigener Aktien ermächtigen lassen.Dafür sind 500 Mill.DM veranschlagt, die Aktion ist befristet bis zum 30.September 1999.Der Vorstand will auf der kommenden Hauptversammlung eine Verlängerung der Rückkaufgenehmigung beantragen, um die noch ausstehenden sieben Tranchen ohne Zeitdruck an der Börse abwickeln zu können.Der Vorstand erwägt auch den Einsatz von Put-Optionen, mit denen Schering eigene Aktien zu einem vorab festgelegten Kurs kaufen könnte.

Pohle betonte, Schering beziehungsweise die beauftragten Banken versuchten bei den Käufen "künstliche Kursausschläge" zu vermeiden.Deshalb sollten die einzelnen Interventionen "möglichst nicht mehr als zehn bis 20 Prozent des durchschnittlichen Tagesumsatzes" in Schering-Aktien ausmachen.Ferner darf der Kaufpreis pro Aktie nicht mehr als fünf Prozent über dem Durchschnittskurs der jeweils drei vorangegangenen Börsentage liegen.Pohle stellte noch einmal die Motive des Rückkaufprogramms heraus: Das Unternehmen solle "transparenter" werden; der Gewinn pro Aktie steige, da Schering Aktien vom Markt nehme.Schließlich soll potentiellen Schering-Interessenten durch die Erhöhung des Aktienkurses eine feindliche Übernahme erschwert werden.Grundlage des Rückkaufs ist eine im vergangenen Jahr in Kraft getretene Gesetzesänderung.Danach ist der Rückkauf bis maximal zehn Prozent des Grundkapitals möglich, der Handel mit eigenen Aktien ist untersagt.Zu einem konkreten Kursziel für die Schering-Aktie wollte sich Pohle nicht äußern.Aber "wenn die Börse merkt, was für ein Juwel im Pharma- und Pflanzenschutzbereich ist, erwarte ich eine gewisse Neubewertung der Aktie", sagte Pohle.

Das hänge allerdings auch davon ab, "ob Aventis gut läuft".Schering verhandelt derzeit über den Anteil an dem Pflanzenschutzkonzern, der sich aus der Fusion von Hoechst und Rhone-Poulenc ergibt.In das neue Unternehmen Aventis Crop Science fließt die Agrevo GmbH ein, das Gemeinschaftsunternehmen von Hoechst und Schering, an dem die Berliner 40 Prozent halten.Pohle zufolge werde sich Schering nicht mit einem Anteil von 20 Prozent an Aventis zufriedengeben.Ein Ergebnis der Verhandlungen erwartet der Schering-Finanzvorstand nicht vor Mitte Februar.

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