Wirtschaft : Scheurle in der Defensive

HAMBURG (rtr/dpa).Ein Konflikt bahnt sich zwischen dem Bundeswirtschaftsministerium (BMWi) und der Telekom-Regulierungsbehörde an.Das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" berichtet, BMWi-Staatssekretär Klaus Bünger habe den Chef der Regulierungsbehörde Klaus Scheurle angewiesen, von der Veröffentlichung einer Verfügung für den Mobilfunk abzusehen.Scheurle wolle den Mobilfunk-Betreibern weiterhin Schutz vor Mitbewerbern auf ihren Netzen garantieren.

Der Meldung zufolge fordert das BMWi dagegen für den Mobilfunk-Markt ähnliche Regeln wie im Festnetz.Dort dürfen kleine Firmen gegen Entgelt die Leitungen der großen Anbieter für ihr Dienste-Angebot nutzen.In der Regulierungsbehörde werde der Vorgang als ungeheuerliche Einmischung gewertet.In einem Antwortschreiben Scheurles heiße es, das BMWi habe gegenüber der unabhängigen Regulierungsbehörde kein Einzelweisungsrecht.Vor allem E-Plus und Viag Interkom fürchteten verheerende Auswirkungen, berichtet der "Spiegel".Dort heiße es, die Investitionsziele könnten dann kaum eingehalten werden.

Unterdessen kündigten Mobilcom und Mannesmann an, dem Beispiel der Telekom-Tochter T-Mobil zu folgen und für ihre Mobilfunk-Kunden ebenfalls Ortstarife einzuführen.Mobilcom-Chef Gerhard Schmid sagte der "Bild am Sonntag", einen entsprechenden Tarif werde es im D 1-Netz schon vom 15.Juli an geben.Auch Mannesmann-Sprecher Matthias Andreesen kündigte gegenüber der Zeitung einen Handy-Ortstarif an.Mannesmann ist mit seinem D 2-Netz derzeit Marktführer.Der Ortstarif der T-Mobil soll vom 31.August an gelten und 68 Pfennig statt 1,89 DM pro Minute kosten.Damit können D 1-Kunden nach Angaben der Telekom bis zu zwei Drittel des jetzigen Preises bei allen Inlandsgesprächen sparen.Mit ihrer Offensive hatte die Telekom-Tochter T-Mobil am vergangenen Montag eine neue Runde auf dem heiß umkämpften Mobilfunk-Markt eingeläutet.T-Mobil will nach eigenen Worten die Marktführerschaft im digitalen Mobilfunk von Mannesmann zurückerobern.

Die Münchener Gesellschaft Viag-Intercom will dagegen Anfang 1999 Handy- und Hausanschluß (sogenanntes Festnetz) in einem Gerät und unter einer gemeinsamen Rufnummer anbieten.Dafür solle der Kunde weniger zahlen als bisher für zwei getrennte Anschlüsse, sagte Unternehmens-Sprecher Reinhard Scheiler.

Wie am Wochenende weiter bekannt wurde, verhandelt der Mischkonzern Viag mit der Veba und dem RWE-Konzern über einen Einstieg bei deren Telefongeselllschaft Otelo.Das in Stuttgart erscheinende Telekommunikationsmagazin "Connect" berichtete am Sonntag unter Berufung auf Unternehmenskreise, damit wolle sich Viag offenbar Zugang zum E-Plus-Netz verschaffen.Die Viag, die noch in diesem Sommer das vierte Mobilfunknetz E 2 starten wolle, könnte ihren Kunden damit sofort bundesweite Flächendeckung bieten.

Dagegen hätten sich die Chancen für einen Einstieg der US-Firma Bell South bei Otelo deutlich verschlechtert.Die Verhandlungspartner stritten sich über die strategische Ausrichtung und den tatsächlichen Unternehmenswert des Festnetzanbieters.

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