Wirtschaft : Schicke Schuhe und faule Kredite

Warum Citibank-Chefin Licci gehen muss

Alexander Visser

Berlin - Es waren wohl die vielen faulen Kredite, die der Lichtgestalt der deutschen Bankenbranche den Job gekostet haben. Seit Christine Liccis Start als erste Chefin einer großen deutschen Bank im September 2001 hatte die Citibank jedes Jahr sattes Wachstum gemeldet. Noch im vorigen Jahr hatte die Wirtschaftswoche die 39-Jährige zur Managerin des Jahres ausgerufen. Doch zuletzt hatte die hohe Risikovorsorge für gefährdete Kredite die Bilanz belastet. Deswegen soll jetzt Sue Harnett den Wachstumskurs der deutschen Tochter des Weltmarktführers Citigroup dirigieren.

Sie könne an keinem Schuhgeschäft vorbeitgehen, hat die Südtirolerin Licci einmal einer Zeitung verraten. Die Shopping-Schwäche war keine schlechte Eigenschaft für ihren Job: Schließlich hat die Citibank in Deutschland ihr Wachstum vor allem den Krediten für Verbraucher zu verdanken, die sich auf Pump neue Anschaffungen leisten konnten. Während andere Banken in die roten Zahlen rutschten, erreichte Liccis Bank 2002 ein Rekordergebnis vor Steuern von 667 Millionen Euro.

Licci fiel auch durch ihren unkonventionellen Führungsstil aus dem Rahmen. Statt sich in der Führungsetage zu verstecken sucht sie den Kontakt zu den Mitarbeitern, sieht sich als deren „Dienstleisterin“. Auch ihren Spitzenmanagern verordnete sie Kontakt zu den Beschäftigten, was Arbeitsklima und Motivation bei der Bank deutlich verbessert haben soll.

Sobald Aufsichtsrat und Bankenaufsicht zugestimmt haben, soll Sue Harnett für gute Stimmung bei dem Geldinstitut sorgen. Ganz so nah wie ihre Vorgängerin wird sie ihren Mitarbeitern anfangs nicht kommen können, denn Deutsch muss die 47-jährige Amerikanerin noch lernen. Harnett arbeitet seit mehr als 20 Jahren für die Citigroup im Privatkundengeschäft, leitete diese Sparte unter anderem in Kanada. Sie wird vor allem dafür sorgen müssen, dass die Bank ihre Kreditnehmer besser überprüft: 2003 musste die Bank ihre Rückstellungen für faule Kredite um fast 50 Prozent auf 390 Millionen Euro aufstocken.

Dass Licci wieder auf einem Chefsessel einer Bank in Deutschland landet, ist nicht sehr wahrscheinlich. „Als gebürtige Italienerin ist sie für die deutschen Banker eine Außenseiterin, die rekrutieren ihr Führungspersonal lieber aus ihrer eigenen Community“, sagt Thomas Haibach, auf Banken spezialisierter Personalberater. Zudem sei das Wachstum der Citibank nicht allein auf Liccis Führung zurückzuführen, sondern auch auf das Geschäftsmodell der US-Gruppe, die sich weltweit erfolgreich um Privatkunden bemüht habe.

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