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Schienenfahrzeugkonzern muss sparen : Bombardier streicht 270 Stellen in Hennigsdorf

Bombardier baut Arbeitsplätze ab: Im größten deutschen Werk des Konzerns müssen 270 Beschäftigte gehen. Der Standort soll dennoch aufgewertet werden.

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Müssen gehen. Auch am Standort Görlitz (Sachsen) und in Bautzen will Bombardier 930 Beschäftigte entlassen.
Müssen gehen. Auch am Standort Görlitz (Sachsen) und in Bautzen will Bombardier 930 Beschäftigte entlassen.Foto: dpa

Der Schienenfahrzeughersteller Bombardier streicht 270 Arbeitsplätze in seinem Hennigsdorfer Werk, dem größten deutschen Standort des Konzerns. Unternehmenssprecher Andreas Dienemann sagte dem Tagesspiegel am Freitag, von den 270 Mitarbeitern seien 70 Leiharbeiter. Der Stellenabbau sei ein "schmerzlicher Schritt" und solle bis Ende 2017 sozialverträglich stattfinden. Ziel der Gespräche, die nun mit dem Betriebsrat aufgenommen werden sollen, seien ein Sozialplan und ein Ausgleich der Interessen. Die Belegschaft wurde auf einer außerordentlichen Betriebsversammlung über die Pläne informiert. Anschließend protestierten nach Betriebsratsangaben rund 1000 Beschäftigte vor dem Werkstor gegen den Stellenabbau.

Am Donnerstag hatte Bombardier den Abbau von 930 Arbeitsplätzen in seinen Werken in Bautzen und Görlitz bekannt gegeben. Bombardier Transportation will insgesamt in den deutschen Werken 1430 der 10.500 Jobs streichen.

Gewerkschaft kündigt Proteste an

Die IG-Metall kündigte „massive Aktionen“ an. Auf einer gemeinsamen Konferenz mit dem Betriebsrat soll am 4. März zunächst ein Aktionsplan entwickelt werden. Am 17. März wird es bundesweite Proteste an allen Bombardier-Standorten geben. „Es müssen nachvollziehbare Details zu den geplanten Maßnahmen auf den Tisch“, sagte Gesamtbetriebsratschef Michael Wobst. Wann man mit den Verhandlungen über einen Sozialplan beginnen könne, „steht völlig in den Sternen“. Die Arbeitnehmervertreter fürchten, dass in Hennigsdorf „mehrere 100 weitere Stellen“ abgebaut werden könnten. „Wir befürchten, dass die Produktion in Hennigsdorf eingestellt werden soll“, sagte Wobst. Der Wagenkastenrohbau und die Vormontage für „Talent“- Züge würden bereits verlagert. „Das hat in der Belegschaft für zusätzlichen Ärger und neue Befürchtungen gesorgt.“

Bekenntnis zur Hauptstadtregion

Dienemann sagte, der Stellenabbau sei dem schärferen Wettbewerb geschuldet, auf den das Unternehmen mit einem "Maßnahmenpaket" reagieren müsse. Bombardier Transportation hatte zuletzt rund 39.000 Beschäftigte weltweit. Der Umsatz der in Berlin ansässigen Zugsparte schrumpfte 2015 deutlich auf 7,4 Milliarden Euro. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern sank ebenfalls auf 417 Millionen Euro. Der Konzern hatte schon in den vergangenen Jahren immer wieder Stellen gestrichen. Dies bedeute nicht, dass man den Standort nordöstlich von Berlin abwerte. "Wir bekennen uns ausdrücklich zu unserem größten deutschen Werk und zur Hauptstadtregion insgesamt", sagte er. Hennigsdorf, wo derzeit noch 2850 Menschen beschäftigt sind, werde zum "Kompetenzzentrum für Fahrzeugkonstruktion" ausgebaut. Ob damit zusätzliche Investitionen verbunden sind, sagte der Sprecher nicht. Von den 2850 Personen ist der größte Teil im Engineering-Bereich tätig, rund ein Drittel produziert S-Bahnen, Straßen- und Regionalbahnen. Betriebsratschef Wobst fürchtet, dass in Hennigsdorf nur noch die Entwicklung und eine kleine Prototypenfertigung bleiben könnten.

Jobs an weiteren Standorten gehen verloren

Die verbliebenen 230 Stellen, die noch zur Disposition stehen, verteilen sich auf die übrigen der insgesamt sieben deutschen Bombardier-Standorte. "Auch die Zentrale in Berlin wird nicht ausgelassen", sagte Andreas Dienemann. Hier seien rund 600 Mitarbeiter tätig.

Weitere Standorte von Bombardier Transportation sind in Kassel, Frankfurt am Main, Mannheim, Braunschweig und Siegen. Ob es im Verlauf des Jahres im brandenburgischen Hennigsdorf weitere Stellenkürzungen geben wird, kommentierte Dienemann nicht. "An solchen Spekulationen beteiligen wir uns nicht." Die IG Metall hatte mitgeteilt, sie rechne mit weiteren Ankündigungen in diesem Jahr.