Wirtschaft : Schienenverkehrsmesse: Bahn will Bedarf auf 20 Jahre im voraus festschreiben

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Die deutsche Bahnindustrie kann nicht damit rechnen, von der Bahn AG Aufträge zu erhalten, um die Kapazitäten ausschöpfen zu können. Bahnchef Hartmut Mehdorn machte am Dienstag bei der Eröffnung der Schienenverkehrsmesse Innotrans in Berlin klar, dass nur bestellt werde, was die Bahn benötige. Das Unternehmen werde aber eine 20-jährige Vorausschau zum Fahrzeugbedarf aufstellen, was der Industrie Planungssicherheit bringen würde. Die Bahn versuche, das Konzept bis zum Jahresende mit der Industrie zu harmonisieren. Mehdorn verwies ferner darauf, dass die Bahn bis zum Jahr 2008 Aufträge in Höhe von insgesamt etwa zehn Milliarden Mark "platziert" habe. Er wäre der Industrie "dankbar", wenn sie in Zukunft Termine einhielte und eine bessere Qualität liefere, sagte Mehdorn. Der Präsident des Verbandes der Bahnindustrie in Deutschland, Peter Witt, sagte, die Industrie fordere von der Politik, dass sie die "Geburtsfehler der Bahnreform" korrigiere und das Privatisierungsgesetz erfülle. Dann werde die Bahn für die Industrie auch wieder berechenbar.

Bundesverkehrsminister Reinhard Klimmt (SPD) kündigte ein "Zukunftspaket Schiene" an, zu dem auch der Ausbau der Infrastruktur gehöre. Es sei Ziel, bis 2015 den Gütertransport per Bahn zu verdoppeln. Klimmt versprach der Bahn zusätzliche Mittel aus den Zinseinsparungen nach der Schuldentilgung des Bundes durch die UMTS-Milliarden, um marode Strecken sanieren und weitere bauen zu können. Der Bund sei mitverantwortlich für die Infrastruktur. Eine Ausgliederung des Netzes aus dem Bahn-Konzern komme für ihn derzeit nicht in Frage. Klimmt forderte die Bahn aber auch auf, ihre Wirtschaftlichkeit zu verbessern. Dies sei wichtiger als ein Börsengang 2003/2004. Verbessern müsse die Bahn zudem ihr Dienstleistungsangebot. Das geplante neue Preissystem soll für die Fahrgäste "möglichst" nicht teurer werden, sagte Mehdorn in dem Zusammenhang.

Der Verkehrsminister zeigte Verständnis für die Proteste von etwa 200 Beschäftigten aus der Bahnindustrie in Berlin und Brandenburg, die gegen Arbeitsplatzabbau protestierten. Die Bahngewerkschaft Transnet forderte Staatshilfen für die Bahn sowie "faire Wettbewerbsbedingungen".

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