Schiesser : Feinripp für die Börse

Schiesser will 2011 aus der Insolvenz an den Kapitalmarkt starten – Aktionärsvertreter warnen vor Risiken. Mit dem Modedesigner Wolfgang Joop laufen derweil weiter Verhandlungen über eine Rolle als kreativer Berater.

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Berühmter Eingriff. Mit dem Modedesigner Wolfgang Joop laufen derweil weiter Verhandlungen über eine Rolle als kreativer Berater. Man befinde sich in Gesprächen „über eine langfristig angedachte Zusammenarbeit“, teilte Schiesser mit.
Berühmter Eingriff. Mit dem Modedesigner Wolfgang Joop laufen derweil weiter Verhandlungen über eine Rolle als kreativer Berater....Foto: dpa

Berlin - Der insolvente Wäschehersteller Schiesser hält sich für attraktiv genug, um auf dem Wege eines Börsengangs frisches Kapital einzuspielen. Wie Insolvenzverwalter Volker Grub am Dienstag mitteilte, bereitet das Unternehmen den Schritt für 2011 vor. Eine Gläubigerversammlung solle noch im Dezember dieses Jahres dem Insolvenzplan zustimmen, der eine Stundung der Forderungen bis zum Börsengang vorsieht. Schiesser („Feinripp“) war durch verlustreiche Lizenzfertigung in Turbulenzen geraten und hatte 2009 Insolvenz angemeldet.

Während Aktionärsvertreter Anleger vor erheblichen Risiken warnten, vertraut Grub darauf, dass Schiessers gesunder Markenkern genügend Investoren anzieht. „Das Unternehmen kommt gestärkt aus der Insolvenz und wird durch den Börsengang mit genügend Finanzkraft ausgestattet sein“, sagte der Insolvenzverwalter.

Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) hat indes Zweifel: „Ein Börsengang aus der Insolvenz heraus ist nur die drittbeste Möglichkeit eines Investments für private Anleger“, sagte DSW-Anwalt Marc Tüngler dem Tagesspiegel. Im besten Falle fließe frisches Börsenkapital direkt dem Unternehmen für Investitionen zu, im zweitbesten Fall machten Altaktionäre bei einem Börsengang Kasse – im Fall von Schiesser würden aber vor allem Gläubigerforderungen bedient. „Warum sollten neue Aktionäre ihr gutes Geld alten Gläubigern nachwerfen“, fragte Tüngler. „Das führt den Börsengang ad absurdum, man kann nur vom Aktienkauf abraten.“

Der Grundsatzbeschluss zum Börsengang war vom Gläubigerausschuss schon im Juni gefällt worden. Als Voraussetzung für die Aufnahme in den streng regulierten Prime Standard der Frankfurter Börse hat Grub dem Amtsgericht Konstanz einen Insolvenzplan eingereicht. Nach der Gläubigerversammlung könnte das Insolvenzverfahren durch eine Bestätigung des Gerichts offiziell beendet werden. Grub betonte, die Gläubiger könnten eine beträchtliche Quote erwarten. „Ihre Forderungen werden auch durch die gute Geschäftsentwicklung in einem höheren Maße erfüllt werden können, als dies noch vor einem Jahr überhaupt denkbar war.“ Rudolf Bündgen, Vorstandssprecher von Schiesser, sieht ebenfalls eine gute Zukunft für den Wäschehersteller. Die Resonanz auf die Erweiterung und Aktualisierung der Kollektion sei positiv.

Mit dem Modedesigner Wolfgang Joop laufen derweil weiter Verhandlungen über eine Rolle als kreativer Berater. Man befinde sich in Gesprächen „über eine langfristig angedachte Zusammenarbeit“, wie es heißt.

Schiesser schreibt seit einiger Zeit wieder schwarze Zahlen. Die 1875 von Jacques Schiesser gegründete Schiesser AG hatte im Februar 2009 Insolvenz angemeldet, als durch die ruinöse Lizenzfertigung für andere Marken mehr als 80 Millionen Euro Schulden angehäuft wurden. Die meisten dieser Verträge sind aufgelöst, die Belegschaft wurde verkleinert. Heute gibt es in Radolfzell noch 510 Mitarbeiter, in der Gruppe weniger als 2000.

Marc Tüngler von der DSW ist kein anderer Fall von einem Unternehmen bekannt, das erfolgreich aus der Insolvenz an die Börse gegangen ist. „Es ist sicher positiv, dass der Insolvenzverwalter Schiesser erhalten und fortführen will“, sagte Tüngler. Zugleich zeige die Entscheidung, das Unternehmen an die Börse zu bringen, aber auch, dass Schiesser offenbar keine Bank mehr finde, die bereit sei, Kredite, das heißt Fremdkapital, zu geben. „Man muss sich schon fragen, ob das Unternehmen operativ stark genug ist.“

Begleitet wird der Börsengang nach Angaben des Insolvenzverwalters von der Equinet Bank und der BHF Bank. Volker Grub bemühte sich in der Mitteilung Optimismus zu verbreiten: „Alle werden durch einen Börsengang gewinnen. Wir eröffnen einem chancenreichen Unternehmen und seinen künftigen Aktionären eine exzellente Perspektive.“ mit dpa

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