Schiesser : Mit Jeans und Feinripp aufs Parkett

Insolvenzverwalter Grub will Schiesser bis 2011 an die Börse bringen.

C. Weissenborn
Wolfgang Joop. Der Modezar will Schiesser für 80 Millionen Euro übernehmen. Foto: dpa
Wolfgang Joop. Der Modezar will Schiesser für 80 Millionen Euro übernehmen. Foto: dpaFoto: dpa

Düsseldorf - Vom Heiligen See in Potsdam bis nach Radolfzell am Bodensee sind es 757 Kilometer. Schnellste Route. Diesen Weg wird Mode-Maestro Wolfgang Joop in Zukunft öfter zurücklegen müssen – zumindest wenn seine Pläne aufgehen. Und die von Volker Grub, Insolvenzverwalter des Pleite-Feinrippherstellers Schiesser. Joop will mit den Wella-Erben als Mehrheitsgesellschafter im Rücken Schiesser übernehmen und dafür rund 80 Millionen Euro auf den Tisch legen. Grub, der beim insolventen Modehersteller derzeit das Sagen hat, unterstützt das. Zumindest, wenn der alternde Modezar das Unternehmen anschließend an die Börse bringt. „Das finanzielle Ergebnis für Schiesser wäre in diesem Fall deutlich besser als einfach nur der Verkauf an einen Investor“, sagte Grub dem „Handelsblatt“. „Ein Börsengang ist eine elegante Lösung.“

Die passende Geschichte, um Investoren an den Märkten zu beeindrucken, hat sich das Duo auch schon überlegt. Er könne sich vorstellen, „mehr zu machen als nur Unterwäsche“, sagte Grub. „Man könnte daran denken, mit Schiesser in die Oberbekleidung zu gehen, man könnte an Freizeitmode denken.“ Neben der neuen Bekleidungslinie strebt Grub auch in die sogenannten „Factory Outlets“. „Wir gehen dort rein, wo wir unsere Händler nicht vergraulen“, sagte er. Außerdem soll ein künftiger Investor den Bereich Damenmode neu aufstellen. Hier tritt Schiesser derzeit nicht in Erscheinung. Noch aber ist nichts endgültig entschieden. Zwei weitere Investoren sind im Rennen. Zumindest noch bis kommenden Montagnachmittag, dann tagt die Gläubigerversammlung. Am darauffolgenden Dienstag will Grub sein endgültiges Konzept der Öffentlichkeit präsentieren. Wie dieses aussehen soll, ist für Grub schon klar.

Joop strebt eine Minderheitsbeteiligung an. Allerdings will er weder persönlich in die Geschäftsführung noch den Aufsichtsrat einziehen. Stattdessen plant er, als Berater für den Marken- und Modeauftritt sowie die geplante Erweiterung der Produktpalette zu agieren. Joop, der sich schon als Designer von Stützstrümpfen, Hobbykoch, Buchautor und Parfumkreateur verdingt hat, ist erst Anfang Juni als Geschäftsführer seines Labels Wunderkind zurückgetreten. Jetzt sucht er ein neues Betätigungsfeld. „Das ist ausdrücklich eine langfristige Geschichte“, sagte Grub. Joop sei das „wirklich ein Anliegen.“ Wann der gemeinsam geplante Börsengang kommen soll, ließ Grub allerdings offen. Denkbar sei sowohl eine Notierung bis Ende des Jahres als auch erst im Frühjahr 2011.

Mit seinen Plänen stößt Grub aber nicht nur auf Begeisterung. „Davon halte ich gar nichts“, sagte etwa Franz Schmid-Preissler von der gleichnamigen Beratung. „Es wäre schon ein Wunder, wenn neue Eigentümer von diesem Ripp-Image wegkämen“, sagte er, denn wer wolle schon mit einem Unterwäscheetikett in der Oberbekleidung herumlaufen. Insolvenzverwalter Grub gesteht denn auch ein, dass sein Plan auch ein Wagnis ist. „Ein Börsengang birgt gewisse Risiken“, sagte er dem „Handelsblatt“. „Wir haben leider noch den Ruf, verstaubt zu sein.“ C. Weissenborn (HB)

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