Schifffahrt : Alle Mann bleiben an Deck

Die Krise erreicht die Reedereien - die Seefahrt wächst langsamer. Jobs sind aber nicht gefährdet, der Transport über die Weltmeere bleibt wichtig

Hannes Heine
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Zuversichtlich. Michael Behrendt, Chef des Reederverbandes, 2007 vor dem Containerfrachter „Hanover Express“ in Hamburg. Foto: dpa

Berlin - In der Schifffahrt kommt die Krise an – allerdings trifft es die Reeder weniger hart als andere Branchen. Die Containerschifffahrt werde in diesem Jahr noch um voraussichtlich sieben Prozent zulegen, teilte der Verband Deutscher Reeder (VDR) am Donnerstag in Hamburg mit. Zuletzt sei die Branche jedes Jahr durchschnittlich zwar um mehr als zehn Prozent gewachsen. Auf lange Sicht sei man aber zuversichtlich, sagte VDR-Chef Michael Behrendt. Von der Bundesregierung forderte er den Einsatz der Marine gegen Piraten, die vor der ostafrikanischen Küste aktiv sind – einer auch von deutschen Handelsschiffen viel befahrenen Route.

Laut Reederverband mussten die großen Containerschiffe den stärksten Einbruch in den vergangenen Krisenmonaten verkraften, nachdem sich die Massenguttransporte im Frühjahr noch auf Rekordniveau bewegt hätten. Bei diesen Transporten werden vor allem Rohstoffe wie Eisenerz und Kohle aus Südamerika und Australien in die bis vor Kurzem noch boomenden Industriezentren Chinas und Indiens befördert.

Neben der gesamtwirtschaftlichen Lage hätten vielen Reedern in diesem Jahr auch die hohen Kosten für Treibstoff und Personal Sorgen bereitet: Nach Angaben der Gewerkschaft Verdi arbeiten rund 13 000 Seeleute auf deutschen Schiffen. Vor zwei Monaten hatte Verdi, die der Internationalen Transportarbeiter-Föderation angehört, mit dem Reederverband einen neuen Tarifvertrag ausgehandelt. Für die gewerkschaftlich organisierten Seeleute gibt es ab Oktober nun auf ein Jahr gerechnet 3,5 Prozent mehr Lohn. „In der Branche gibt es Schwierigkeiten, aber von einer Krise zu sprechen ist zu hoch gegriffen“, sagte Verdi-Schifffahrtsexperte Gerd Hüfner dem Tagesspiegel. Auch Reederchef Behrendt betonte: „Die Schifffahrt befindet sich nicht in einer strukturellen Krise.“ Zwar werde keine Reederei neues Personal einstellen, von einem Stellenabbau spreche in der deutschen Linienschifffahrt derzeit aber niemand. Langfristig sei weiter mit dem Wachstum des Welthandels und so mit mehr Transporten zu rechnen. Nach Einschätzung von Gewerkschaftern und Wirtschaftsexperten wird die Frachtschifffahrt Ende 2009 wieder zulegen können: Die Erfahrung zeige, dass sich die Konjunktur oft langsamer von einer Krise erhole als das Transportwesen.

Entscheidend ist nach Einschätzung des VDR, ob die Banken künftig Kredite wieder leichter vergeben. Derzeit sei die Beschaffung von Krediten zur Finanzierung neuer Flotten sehr schwierig, sagte Behrendt. Die deutschen Reeder belegen mit rund 3300 Schiffen derzeit nach Japan und Griechenland Platz drei in der Welthandelsflotte. Noch vor zehn Jahren waren nur halb so viele deutsche Handelsschiffe unterwegs.

Laut VDR sind derzeit 523 Containerschiffe bei Werften bestellt worden. Reeder befürchten nun, dass einige bei den Werften bestellte Schiffe wegen der Krise nicht vom Stapel laufen könnten.

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