Schiffsbau : Norweger kaufen "Queen-Mary-2"-Werft

Der norwegische Schiffbauer Aker Yards stärkt mit der Übernahme von Werften des französischen Verkehrstechnikkonzerns Alstom sein Geschäft mit Luxus-Kreuzfahrtschiffen.

Paris - Die Alstom-Werft-Gruppe Chantiers de l'Atlantique hat unter anderem die legendäre «France» und das weltgrößte Kreuzfahrtschiff «Queen Mary 2» gebaut und hat erst im November einen Rekordauftrag aus Italien über eine Milliarde Euro zum Bau von zwei Luxuskreuzern erhalten. Die Übernahme erlaube Synergien mit den 13 Aker-Werften (darunter Wismar und Warnemünde), teilten die Konzerne am Mittwoch in Paris mit.

Aker und Alstom wollen eine neue Gesellschaft für die beiden Werften in Saint-Nazaire und Lorient bilden, die zuletzt 610 Millionen Euro umsetzten. Aker Yards wird für 50 Millionen Euro 75 Prozent der Anteile übernehmen. Alstom behält vorerst 25 Prozent, will aber 2010 seinen Restanteil für «bis zu 125 Millionen Euro» an Aker abgeben. Außerdem investieren die Franzosen 350 Millionen Euro in die gemeinsame Werft-Gruppe. Alstom müsse deshalb mit einem Verlust von 100 Millionen Euro und einer Erhöhung der Verschuldung um 300 Millionen Euro rechnen, hieß es. Die Vereinbarung habe keine «direkten» Folgen für die 3000 Beschäftigten.

Der Hersteller von Schnellzügen und Energieanlagen Alstom will seine chronisch defizitäre Werft-Sparte, die im vergangenen Geschäftsjahr operativ 100 Millionen Euro verlor, seit langem abstoßen. Konzernchef Patrick Kron diente die Chantiers im Herbst vergeblich dem staatlichen Fregatten- und Flugzeugträgerbauer DCN an. Die Ankündigung des Verkaufs an Aker ließ die Alstom-Aktie bei Börsenbeginn in Paris um 6,92 Prozent auf 52,50 Euro steigen.

«Wir wollen einen Champion auf dem Markt für Schiffe mit großer Wertschöpfung, besonders Kreuzfahrtschiffe, schaffen», sagte Kron. Aker-Chef Karl Eric Kjelstad erklärte, sein Haus werde mit den Chantiers «eine einzigartige Position in der Welt des Schiffbaus» erringen. Aker Yards gehört mit 130 000 Mitarbeitern und 1,49 Milliarden Euro Umsatz (2004) zu den fünf größten Werft-Konzernen der Welt. Die Gruppe gehört mit Aker Kvärner, Aker Seafoods, Aker American Shipping und anderen Unternehmen zum Aker-Konzern. Alstom kam zuletzt bei 69 000 Mitarbeitern auf 13,7 Milliarden Euro Umsatz und auf einen Fehlbetrag von 865 Millionen Euro. (dpa)

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