Schiffsentführungen : Versicherer verdienen an Piraten

Fast 50 Schiffe haben somalische Piraten im vergangenen Jahr entführt, fast 900 Crewmitglieder wurden als Geiseln genommen. Die Reeder zahlten hunderttausende Euro Lösegeld. Ein lukratives Geschäft – nicht nur für die Piraten.

Versicherungskonzerne profitieren von Schiffsentführungen und vor allem von der Angst der Reeder vor Piratenüberfällen. Sie verkaufen Policen, mit denen sich Schiffseigner aus aller Welt gegen die immer höheren Forderungen der Seeräuber wappnen. Wenn die Reedereien Lösegeld zahlen müssen, erstattet die Versicherung den Betrag.

Vom Geschäft mit der Angst profitiert vor allem der Finanzplatz London – dort werden die meisten Entführungs- und Lösegeldversicherungen für Seeleute verkauft. Pro Schiff und Route zahlen die Reeder bis zu 20.000 Euro. Doch das Geschäftsmodell ist gefährdet: Die Vereinten Nationen (Uno) wollen die Lösegeldzahlungen verbieten. Dagegen wehren sich nun die Versicherer und die britische Regierung.

„Mögliche Sanktionen, die Lösegeldzahlungen an somalische Piraten verbieten, könnten Leben gefährden“, sagte ein Sprecher des britischen Versicherers Lloyds. Die Regierung brauche mehr Zeit, um die Konsequenzen der Sanktionen zu prüfen, erklärte ein Sprecher des britischen Außenministeriums. Weil die Uno einstimmig entscheiden muss, kann Großbritannien die Sanktionen auf unbestimmte Zeit blockieren.

Das Problem mit der Piraterie ist beträchtlich: Frederik Köncke vom deutschen Versicherungsmakler BDJ schätzt, dass sich die Lösegeldforderungen pro Jahr auf zehn bis zwölf Millionen Euro summieren – tatsächlich gezahlt würden immerhin dreieinhalb bis vier Millionen. Auch wenn die Versicherer dafür aufkommen müssen, verdienen sie an der Piraterie Millionen. Deshalb verwundert es nicht, dass immer mehr Anbieter auf den Markt drängen und Spezialpolicen gegen Seeräuber verkaufen. HB

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